Vom Glück, ein Patenkind zu haben | Neue Braunschweiger
12. Januar 2020
Allgemein

Vom Glück, ein Patenkind zu haben

Ehepaar hat seit drei Jahren ein „neues“ Patenkind – Es werden noch Mitstreiter gesucht

Die Paten schenken den Kindern Zeit und Aufmerksamkeit. Symbolfoto

Braunschweig. Nadine und Jörg haben seit drei Jahren ein Patenkind. Das ist ja zunächst nichts Besonderes, aber in diesem Fall doch: Denn die Eheleute kannten ihr Patenkind vorher gar nicht. Sie sind über den Verein „Eine Region für Kinder“ zu ihrem Glück gekommen. „Und ein Glück ist es wirklich“, sagen die beiden strahlend, „wir können den Schritt nur jedem empfehlen.“

„Vielleicht nicht wirklich jedem“, schränkt der Vereinsvorsitzende Michael Schwarz ein, „aber fast.“ Die einzigen Voraussetzungen sind: Das kleine Führungszeugnis und die Bereitschaft, für die Kinder etwas Gutes tun zu wollen.
Wobei das Gute gar nicht viel sein muss und schon gar nicht teuer. Es geht um Zeit und Zuwendung. Und auch da hat der Verein für jeden Wunsch ein Angebot: „Wir haben Paten, die einmal im halben Jahr eine Gruppe Kinder irgendwohin transportieren, aber wir haben auch Paten, die jede Woche einen Tag mit ‘ihrem’ Kind verbringen“, erklärt Michael Schwarze.
So, wie Nadine und Jörg. „Ich habe damals einen Artikel in der Braunschweiger Zeitung gelesen und ihn meinem Mann sofort gezeigt“, erinnert sich Nadine . Die beiden waren sich einig: „Das ist etwas für uns.“

Sie haben einen sogenannten „Vorbereitungstag“ mitgemacht, bei dem grundsätzliche Themen – wie beispielsweise Versicherungsfragen geklärt werden – und schon ging es los. „Bald darauf hatten wir einen Termin mit einer Mutter und ihrer Tochter – unserem zukünftigen Patenkind“, erzählen Jörg und Nadine.

Der Verein „Eine Region für Kinder“ arbeitet eng mit der Stadt Braunschweig zusammen, hat das Netzwerk geknüpft und verbindet die Akteure. „Wir besorgen das nötige Geld“, erklärt Vereinsvorsitzender Michael Schwarze, „sechs große Institutionen, die sich bereits mit verschiedenen Projekten um diese Kinder kümmern, vermitteln die Patenschaften und übernehmen auch die Ausbildung.“

Gesucht: Ein Kind, das reiten möchte

Bei Nadine und Jörg war es der Verein „Der Weg“. Bis heute gibt es einen guten Kontakt, das Ehepaar hat sich noch nie alleingelassen gefühlt. „Unsere Patentochter ist uns inzwischen sehr ans Herz gewachsen“, erzählen sie. Einmal in der Woche verbringt das inzwischen zehnjährige Mädchen die Zeit nach der Schule mit Nadine und Jörg. „Wir kochen zusammen, wir machen Hausaufgaben und vor allem – wir gehen reiten“, erzählt Nadine.

Ganz am Anfang dürfen die künftigen Paten „Wünsche“ äußern. „Und wir wollten gern ein Mädchen, das Pferde mag“, erzählt Nadine, da sie selbst reitet. Und das ging in Erfüllung. „Schon beim ersten Besuch bei unserer Patentochter und ihrer Mutter hatten wir ein Pferde-Kartenspiel dabei“, erzählen die beiden, „das hat beiden Seiten den Start erleichtert.“
Was können sie zukünftigen Paten raten? Was ist wichtig?
„Respekt der Familie gegenüber“, sagen sie. In ihrem Fall zum Beispiel gibt es bei der Mutter ihrer Patentochter weder Fernsehen noch Süßigkeiten. „Also gibt es auch bei uns kein Fernsehen und süße Sachen nur ganz sparsam“, erzählt Nadine, „wir respektieren die Haltung und die Erziehung der Mutter.“

Patenvertrag verlängert

Inzwischen sind die drei schon ein gutes Team. „Gerade haben wir gemeinsam unseren neuen Patenvertrag unterzeichnet“, erzählen Nadine und Jörg. Der wird jedes Jahr erneuert und auch die Patentochter hat ganz stolz unterschrieben. Vereinsgründer Michael Schwarze freut sich über das gute Beispiel und macht Mut, auch Pate zu werden: „Wir haben Studenten, aber auch eine 80-Jährige, die vier Patenkinder betreut. Wir finden immer die Menschen, die zueinander passen.“

INFO

Mit der Veranstaltung „Kinder stärken – Paten gewinnen“ sucht die Stadt in Kooperation mit vielen weiteren Institutionen Menschen, die Zeit mit Kindern verbringen wollen, die in besonderen Lebenslagen sind. Bei der Informationsveranstaltung werden fünf Patenprojekte vorgestellt am Donnerstag, 16. Januar, ab 18 Uhr im Roten Saal im Schloss. Interessierte können Kontakt aufnehmen und die Projekte kennenlernen. Gesucht werden Ehrenamtliche für fünf unterschiedliche Projekte der Drogenberatungsstelle, des Lukas Werks, des Vereins „Der Weg“, des Mütterzentrums und des Kinderschutzbundes. Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen unter (0531) 480 79 60 dienstags 10 bis 12 Uhr und donnerstags 16 bis 18 Uhr.

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