Von der Flohfalle zum Selbstporträt

Herzog Anton Ulrich Museum zeigt in „Kunst setzt Zeichen“ die schönsten Erwerbungen aus drei Jahrzehnten

Museumsdirektor Jochen Luckhardt neben einem Selbstbildnis von Georg Baselitz in der aktuellen Ausstellung des Herzog Anton Ulrich Museums. Isabel KobusI

Innenstadt. Die schönsten Neuanschaffungen aus den letzten 28 Jahren zeigt das Herzog Anton Ulrich Museum in seiner aktuellen Ausstellung „Kunst setzt Zeichen – Neuerwerbungen aus dem alten Europa“ noch bis zum 20. Januar. Anlass ist der Abschied des Direktors Professor Dr. Jochen Luckhardt.

„Wir wollen zeigen, was unser Museum ausmacht“, sagt Luckhardt, der im Februar 2019 nach 28 Jahren in den Ruhestand geht. Das ist zum einen die Vielfalt des Universalmuseums der Künste, denn „Herzog Anton Ulrich hat alles gesammelt“, so Luckhardt, zum anderen der europäische Kulturraum, in dem sich das Museum verortet.
Die Vielfalt zeigt sich in der schön arrangierten Ausstellung schon auf den ersten Blick: Gemälde hängen neben Drucken, dazwischen Skulpturen, Vitrinen mit kleinen Kostbarkeiten und Büchern.
Da sind die beiden lange vermissten Perlmoser-Figürchen, die 2016 nach Braunschweig zurückkehrten, ebenso eine Flohfalle aus dem 18. Jahrhundert. Da sind wunderbare Selbstbildnisse von Käthe Kollwitz bis Beuys. Eine Serviette aus Damast zeigt das Salzdahlumer Schloss, romantischen Landschaftsgemälden ist ein Berlin-Bild des Schauspielers Armin Müller-Stahl gegenübergestellt.

Gemälde, Drucke, Kunsthandwerk: Die Ausstellung zeigt die ganze Vielfalt der Erwerbungen des HAUM. Foto: ik

„Wir haben hier ganz überraschende Werke“, sagt Luckhardt. Die nicht immer leicht zu erwerben waren – seit dem Jahr 1994 hat das Museum keinen Einkaufs-Etat mehr, das meiste wird durch Stiftungen finanziert. Die Ausstellung ist in vier Themen untergliedert, die typisch europäisch sein sollen. Das wirkt etwas übergestülpt – Sinnbilder und Selbstdarstellungen beispielsweise gibt es überall in der Kunst – und die Texttafeln lesen sich teilweise abstrakt. Macht aber nichts: Die Schönheit und Vielfalt lässt sich intuitiv erfassen – auch im gut gestalteten Katalog. Und es erfreut, welch interessante Kunstwerke in den letzten drei Jahrzehnten in unsere Stadt gekommen sind. 4410 waren es insgesamt, 275 davon zeigt die Ausstellung.

Für Kinder gibt es ein Rätsel- und Zeichenheft mit Malwettbewerb, durch das Direktor Luckhardt als Comicfigur führt. Kleine Besucher, die mit dem Heft zur Museumskasse kommen, erhalten freien Eintritt.

^