Von einem der auszog, seinen Traum zu leben

Der Braunschweiger Mario Saccoccio steht in Hamburg im Musical Aladdin auf der Bühne

Mario Saccoccio. oh

Hamburg/Braunschweig. Acht Shows in der Woche live auf der Bühne, dazwischen sehr viel Tanz-Training, Gesangsunterricht und das Auswendiglernen von unendlich vielen Texten. Und das alles mit der Unsicherheit, sich immer wieder bei Auditions zu behaupten, um weitere Engagements zu bekommen. Für viele wäre das der absolute Alptraum – für Mario Saccoccio ist es das, was er immer wollte. „Ich bin so dankbar, dass ich das machen darf“, sagt der gebürtige Braunschweiger mit einer ansteckenden Euphorie und schwärmt von seinem Job, nein seiner Berufung als Musicaldarsteller.

Den Wunsch, einmal auf der großen Bühne zu stehen und die Menschen mit Tanz und Gesang zu unterhalten, hatte Mario schon als Sechsjähriger. Damals sang er im Chor von St. Aegidien und lebte in der Braunschweiger Weststadt. Schnell bekam er die Chance, kleine Kinderrollen am Staatstheater zu übernehmen. Mit acht Jahren spielte er im Musical Oliver Twist, in Bajazzo und im Sommernachtstraum den indischen Knaben.

In diesem Kostüm spielt Mario Saccoccio Iago in Aladdin.

 

Für Marios Eltern kam ein Weg in die Kunst allerdings nie infrage. Sein Vater, ein „Vollblut-Italiener“, wie Mario sagt, hätte das nie zugelassen. Also folgten Abschluss an der Pestalozzischule und eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann. So gar nicht Glanz und Glamour also. „Ich habe den ganzen Tag Klamotten zusammengelegt und mich gelangweilt“, erinnert sich der 38-Jährige, der erst „neun oder zehn“ echte Jahrestage hatte: „Ich habe am 29. Februar Geburtstag, also nur alle vier Jahre, wir feiern dann immer am 1. März.“

2005 kam dann die Wende. Mario nahm seinen Mut zusammen und schrieb sich bei der „Hamburg School of Entertainment“ ein. „Meine Eltern waren total geschockt“, erinnert er sich. Job gekündigt, alles verkauft und weg aus Braunschweig für eine knallharte Ausbildung, die auch noch über 20 000 Euro kostet und das Ziel hat, hauptberuflich freischaffender Künstler zu werden. Aus dem wohligen Ladengeschäft in das gleißende Scheinwerferlicht.

Mario biss sich durch und absolvierte nach drei Jahren die Schule. Es folgte gleich ein Engagement auf der AIDA und später im legendären Schmidt-Theater sowie im Musical „Ich war noch niemals in New York“. Auch seiner Heimat Braunschweig hielt Mario die Treue: 2013 und 2014 war er in der Komödie am Altstadtmarkt in „Ein Mann mehr ist noch zu wenig“ und „Jojo Effekt“ zu sehen. „Ich bin gerne in Braunschweig, meine ganze Familie ist noch dort und mein Schwager hat das Piccolo in der Neuen Straße“, sagt der Sohn italienischer Eltern.

Dennoch ist er in Hamburg geblieben, wo er derzeit als Iago im Musical Aladdin auf der Bühne steht. „An Hamburg gefällt mir, dass es eine Hafenstadt ist. Das Flair, die Schiffe und die Hamburger sind einfach herrlich. Von hier aus geht es in die Welt“, so der leidenschaftliche Tennisspieler, der bei aller Öffentlichkeit seines Lebens auf der Bühne auch noch seinen Rückzugsort braucht – sein Privatleben, über das er nicht spricht. Marios Engagement bei Aladdin läuft über ein Jahr, wie es danach weitergeht, steht noch nicht fest. Sicher gibt es Wünsche: „Ich würde gern einmal den Zazu in König der Löwen spielen.“ Und wenn es anders kommt, wäre das auch nicht schlimm. „Wenn man glücklich ist, ist man überall zufrieden“, lautet das Motto des sympathischen Braunschweigers.

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