Von vermüllten Bolzplätzen und Hundekot | Neue Braunschweiger
26. Januar 2020
Menschen

Von vermüllten Bolzplätzen und Hundekot

Kommunalpolitik zum Kennenlernen: Bezirksbürgermeisterin Julia Kark besuchte die Grundschule Timmerlah

Bezirksbürgermeisterin Julia Kark nahm sich viel Zeit für die dritten und vierten Klassen der Grundschule Timmerlah.

Timmerlah. „Ich bin hier in Timmerlah selbst in die Schule gegangen und kenne die Grundschule gut“, sagt Julia Kark zu Beginn der Stunde. Vor ihr sitzen die Schülerinnen und Schüler der beiden 3. und 4. Klassen. Die Kids sind ein bisschen hibbelig, das ist wohl der Aufregung geschuldet. Wann hat man schon mal eine Politikerin zu Besuch?

Seit gut drei Jahren ist Julia Kark Bezirksbürgermeisterin für Timmerlah, Geitelde und Stiddien. Die 34-Jährige ist selbst Lehrerin, unterrichtet an der Hans-Würtz-Schule. Und sie weiß aus eigener Erfahrung, dass die Lesefähigkeit bei Kindern stark zurückgeht. So kam ihr die Idee, einmal die jüngsten Bürger ihres Bezirkes zu besuchen und ihnen vorzulesen: „Ich möchte ihr Interesse am Lesen wecken. In unserer heutigen digitalen Welt bleibt das total auf der Strecke“, sagt sie. In der Adventszeit hat sie bereits die Kindergärten in Timmerlah und Geitelde und die Klassen 1 und 2 der Grundschule besucht. Im Gepäck: eine Weihnachtsgeschichte und Erst-Lesehefte als Geschenk. Auch diesmal hat sie eine Geschichte ausgesucht, doch dazu kommt es gar nicht. Das liegt an dem zweiten Grund, aus dem Kark mit den Schülerinnen und Schülern in Kontakt treten möchte – sie will sie für Kommunalpolitik begeistern, erklären, was es damit auf sich hat. Sie erzählt, wie sie zur Politik gekommen ist („Ich habe mich nie dafür interessiert und dann wurde ich einmal überredet, an einer Bezirksratssitzung teilzunehmen. Da habe ich gemerkt: Hier geht es ja um Dinge, die uns alle betreffen“). Sie hat eine Karte von Braunschweig mitgebracht und erklärt die Aufteilung in die einzelnen Stadtbezirke und wie die Wahlen ablaufen.

Dann dürfen die Schüler fragen. „Wie fühlt man sich als Bürgermeisterin?“ „Wie schafft man es gleichzeitig Lehrerin und Bürgermeisterin zu sein?“ Geduldig antwortet Julia Kark darauf. Dann fragt sie selbst: Wo der Schuh drückt, welche Probleme die Kinder im Ort sehen. Die lassen sich nicht zweimal bitten und berichten von der kaputten Seilbahn auf dem Spielplatz, fehlenden Fußballtoren, empören sich über Scherben und Hundekot auf dem Bolzplatz („Da sollte man mal Videokameras anbringen“!) und bemängeln schlechte Beleuchtung auf dem Heimweg vom Sport. Die Schüler haben sogar eine kleine Ausstellung vorbereitet, sind mit ihrer Lehrerin Corinna Lenzner durch Timmerlah gegangen und haben fehlende Überwege, enge Gehsteige und andere Brennpunkte fotografiert – die Bezirksbürgermeisterin notiert sich alle Anliegen, verspricht, sich zu kümmern. „Leider dauert das oft eine ganz schön lange Zeit. Man muss Anträge schreiben, alles schriftlich einreichen, auf Genehmigungen und Beschlüsse warten und viel Geduld haben“, erklärt sie den Kindern. Dabei sei sie eigentlich ein ungeduldiger Mensch.

Auch Jaron und Maja waren sehr angetan von der Abwechslung im Schulalltag und dem Besuch Julia Karks. Fotos Stefanie Druschke
Julia Kark Bezirksbürgermeisterin für Timmerlah, Geitelde und Stiddien

„Sie hat sich viel Zeit für uns genommen, obwohl sie so viel zu tun hat. Jetzt kümmert sie sich um alles, was sie aufgeschrieben hat“, ist sich der zehnjährige Jaron sicher. Auch Maja (9) ist beeindruckt: „Toll, wie sie das alles so hinbekommt!“. Die Zeit vergeht wie im Flug. Am Ende der zwei Unterrichtsstunden hat Julia Kark zwar nicht vorgelesen, dafür ist sie mit Schülern intensiv ins Gespräch gekommen. Macht nichts. Das Büchlein mit der Drachengeschichte nehmen die Kinder mit nach Hause. „Lest es doch mal euren Eltern vor“, empfiehlt Julia Kark.

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