Vor 125 Jahren verschifft nach Chicago | Neue Braunschweiger
3. September 2018
Kultur

Vor 125 Jahren verschifft nach Chicago

10 Jahre Quadriga: Das Schlossmuseum zeigt zum ersten Mal das Seesener Modell

Die Leiterin des Schlossmuseums, Dr. Ulrike Sbresny, neben der „Seesener Quadriga“.  Fotos: Wiefel

Innenstadt. Der Lack ist ab. Was die stolze Brunonia so lässig lenkt, käme durch keinen TÜV mehr: Die Räder ihres Streitwagens sind rostig, die Hufe der vier Rösser zum Teil abgefallen. Und trotzdem ist die „Seesener Quadriga“, die zum zehnten Geburtstag ihrer großen Schwester auf dem ECE-Center im Schlossmuseum ausgestellt wird, einfach unfassbar elegant.

„Wir sind sehr stolz, dass wir sie als Hauptexponat und zum ersten Mal überhaupt in Braunschweig zeigen können“, freut sich auch Museumsleiterin Dr. Ulrike Sbrezny.
Die Quadriga hatte zuvor fast 100 Jahre auf dem Dach der Züchner-Villa in Seesen verbracht. Der Weg aus dem Harz nach Braunschweig ist allerdings längst nicht die weiteste Reise, die das Gespann hinter sich hat. Denn gefertigt wurde die 1:3-Version der großen zweiten Schloss-Quadriga für die Weltausstellung in Chicago 1893. „Allein das sichere Verpacken und Verschiffen war eine Riesen-Leistung“, betont Sbrezny.

Die Geschichte der Quadriga sei kompliziert, gibt die Museumschefin zu. Eine große Version, eine kleine Version, mit grüner Patina und ohne, aus Gips und aus Bronze: Brunonia hat Baumeister und Bildhauer immer wieder aufs Neue inspiriert. Die Ausstellung zeigt nicht zuletzt deshalb die wichtigsten Stationen auf.
„Für das Schloss wurden zwei Quadrigen gefertigt: Die erste, größere wurde 1865 bei einem Brand zerstört, die zweite, kleinere in der Nachkriegszeit“, erklärt die Muse

umschefin. Was seit zehn Jahren dank der Borek-Stiftung auf dem Dach der Schlossfassade thront, ist die Nachbildung der ersten Quadriga, „bei der die Details allerdings durch die schiere Größe gar nicht so gut zu sehen sind“, sagt Sbrezny.

Genau dafür eignet sich die „Seesener Quadriga“ ideal: Allein der Faltenwurf des Umhangs der Brunonia ist ein bildhauerisches Meisterwerk, „und es ist schon erstaunlich wie lässig die Dame vier ausgewachsene Hengste lenkt“, fügt Sbrezny hinzu. Auch die „Seesener Quadriga“ wurde von der Richard-Borek-Stiftung zur Verfügung gestellt. Derzeit werden Pläne für ihre Restaurierung geschmiedet.

Info: 

Die Ausstellung ist noch bis zum 30. September zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag 10 bis 17 Uhr, Mittwoch 13 bis 20 Uhr, Donnerstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr. Eintritt zwei Euro. Infos zu Führungen unter www.schlossmuseum-braunschweig.de.

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