Vor der Wahl wird getrommelt

Fridays for Future: Organisatoren der Kundgebungen stellten sich der Öffentlichkeit vor

Wer steckt hinter den "Fridays for Future", wie ist das Forderungspapier entstanden, diese Fragen beantworteten Schüler und Studenten am Donnerstag. Foto: Marion Korth

Innenstadt. Dieser Freitag war ein besonderer. Der Aufruf zu mehr Klimaschutz bekommt so kurz vor der Europawahl noch mehr Dringlichkeit. „Wir machen die Europawahl zur Klimawahl“, hatte Frederik van der Veen (18) während einer Pressekonferenz am Donnerstag angekündigt. Am Freitag beteiligten sich auffällig viele Menschen an dem Zug durch die Innenstadt.

Allein in Deutschland waren für den 24. Mai 289 Fridays-for-Future“-Kundgebungen angemeldet worden, viele hundert weitere in Europa rund 1400 in der ganzen Welt. Frederik van der Veen ist einer der Schüler und Studenten, die jeden zweiten Freitag im Monat für ihre Zukunft auf die Straße gehen, die Kundgebungen organisieren und ein Forderungspapier für die Politik formuliert haben. Gesicht zeigen, transparent machen, wer in Braunschweig die Menschen hinter der Kampagne „Fridays for Future“ sind, war das Ansinnen der jungen Menschen.

180-Grad-Wendung

Die Zeit drängt. Die Schüler fordern „eine 180-Grad-Wendung“, um den Klimawandel, der in ihren Augen eine Klimakrise ist, noch stoppen zu können. Wissenschaftler gehen davon aus, dass – sollte alles so laufen wie bisher ­– nur noch achteinhalb Jahre Zeit ist, bis die natürlichen Systeme durch den ungebremsten CO2-Ausstoß kollabieren. Ein Zustand, der sich dann auch nicht mehr rückgängig machen ließe und die Welt, wie wir sie heute kennen, zerstört.
Aus dem Kreis der Kundgebungsteilnehmer heraus hatte sich zunächst ein offenes Plenum entwickelt und daraus Arbeitsgruppen zu verschiedenen Themen. Im Austausch mit Experten und Umweltgruppen haben die Schüler und Studenten dann ein Forderungspapier entworfen. Nach vorheriger Ankündigung über die Whats-App-Gruppen mit ihren rund 800 Mitgliedern sei das Papier nach einigen Änderungen einstimmig angenommen worden, erläuterte Nils Kramer (20). „Alles basisdemokratisch“, wie die Schüler betonten.

Zukunftsvision

Mit den Demonstrationen wollen die jungen Menschen das Thema Klimaschutz in die Mitte der Gesellschaft rücken. Bei der Ratssitzung, aber auch schon vorher bei einem Treffen mit Oberbürgermeister Ulrich Markurth hat es einen Austausch gegeben. Die Begegnung habe „auf Augenhöhe“ stattgefunden. „Wir sind nicht als Schüler abgekanzelt worden“, meinte Frederik. Persönlich findet er allerdings schade, dass in Braunschweig nicht wie schon in anderen Städten der Klimanotstand ausgerufen worden ist.

Das Braunschweig der Zukunft stellen die Schüler und Studenten sich so vor: Strom und Wärme werden klimaneutral erzeugt, die Menschen gehen zu Fuß, fahren Rad, Bus und Bahn und nur ausnahmsweise im E-Auto, Pflanzen und Bäume wachsen auf Dächern und Plätzen, Wertstoffkreisläufe verhindern, dass Müll entsteht, Kinder lernen schon von klein auf, wie ökologische Kreisläufe funktionieren, Lebensmittel stammen aus regionalem Anbau, Wirtschaftsbetriebe arbeiten nachhaltig und Bürger werden ermuntert, ihre Ideen umzusetzen

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