Vorgedrängelt: Landräte sorgten für Ärger | Neue Braunschweiger
14. Februar 2021
Gesundheit

Vorgedrängelt: Landräte sorgten für Ärger

Peiner Landrat und ein Kreisrat ließen sich impfen – Carsten Müller: „Ich bin tief enttäuscht“

Die Grippe ist im Anmarsch. Foto: imago

Region (bw). Eigentlich gibt es für das Impfen einen genauen Fahrplan. Zuerst die Älteren, lautet die Regel. Gleich zwei Politiker aus der Region hatten sich darüber hinweggesetzt und sorgten diese Woche für Ärger.

Vorgedrängelt hatten sich der Peiner Landrat Franz Einhaus und der Erste Kreisrat Henning Heiß. Wie die Braunschweiger Zeitung berichtete, begründeten sie den Schritt damit, dass sie wegen dienstlicher Corona-Kontakte wiederholt in Quarantäne gewesen seien. Als im Anschluss an eine Impfaktion für den Peiner Rettungsdienst Impfstoff übrig war, nutzten sie die Gelegenheit und ließen sich impfen.

CDU-Bundestagsabgeordnete Carsten Müller. Foto: Jan Kopetzky

Dazu erklärt der Braunschweiger CDU-Bundestagsabgeordnete Carsten Müller: „Von der Selbstbedienungsmentalität des Landrates und seines Stellvertreters bin ich tief enttäuscht. Landrat Einhaus und Erster Kreisrat Heiß sind den Anforderungen an ein Führungspersonal offensichtlich nicht gewachsen. Deshalb sollte eine vom Ersten Kreisrat Heiß angestrebte Wiederwahl zunächst ausgesetzt bleiben. Auch das von Landrat Einhaus vorgebrachte Argument, dass nur er und sein Stellvertreter wichtige Entscheidungen im Katastrophenschutzfall treffen könnten, geht komplett fehl: Durch Vertreterregelungen ist der Landkreis Peine auch in Katastrophenschutzfällen jederzeit handlungsfähig. Angesichts dieses unglaublichen Verhaltens der Selbstbegünstigung steht ohnehin in Frage, ob die beiden Politiker an der Spitze des Landkreises Peine Entscheidungsnotwendigkeiten in besonderen Gefahrenlagen überhaupt gewachsen sind.“

Dr. Christos Pantazis

Auch der SPD-Fraktionsvize und stellvertretende Vorsitzende des SPD-Bezirks Braunschweig, Christos Pantazis, fand deutliche Worte: „In der Krise zeigt sich der Charakter“, zitiert ihn die Braunschweiger Zeitung. Pantazis fürchtet, dass durch solche Aktionen „das Vertrauen in die Politik erodiert“. Schon zuvor war Peine in die Schlagzeilen geraten, als sich der Geschäftsführer des Klinikums, Wolfgang Jitschin, seine Assistentin und eine Sekretärin impfen ließen

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