14. Januar 2014
Menschen

Vorsicht und Rücksicht

Polizei Braunschweig sieht Autofahrer und Radfahrer in der Pflicht.

Die Münzstraße ist Einbahnstraße, Radfahrer dürfen sie aber auch in der Gegenrichtung befahren. Dem haltenden Bus in dieser Weise auszuweichen, ist in Ordnung, der Schutzstreifen ist ansonsten aber für den Radverkehr in Richtung Süden gedacht. Foto: T.A.

Von Marion Korth. 15.01.2014. Braunschweig.
Sind Schutzstreifen und entgegen der eigentlichen Fahrtrichtung für Radfahrer freigegebene Einbahnstraßen eher ein Gefahrenpunkt? Und wie beurteilt die Polizei das Problem mit den Radfahrern, die auch bei Dunkelheit ohne Licht unterwegs sind? Die nB fragte nach.

Wenn es nach Verkehrssicherheitsberater Michael Schlutow von der Braunschweiger Polizei gehen würde, dann wäre mit Paragraf 1 der Straßenverkehrsordnung eigentlich alles gesagt: „Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.“ Vorsicht und Rücksicht – von beiden Seiten, Autofahrern und Radfahrern. Der Alltag sieht anders aus.
Da sei zum einen die Unwissenheit der Autofahrer, die mit dem Begriff Fahrradstraße noch nicht viel anfangen können. „Sie dürfen dort fahren, aber das eigentliche Sagen haben die Radfahrer“, sagt Schlutow. Die Verkehrssicherheitsberater versuchen, mit kurzen Filmen Lücken zu schließen. Ob bei der Taxifahrerschulung oder bei VW – gemeinsam mit der Verkehrswacht informieren sie über Fahrradstraßen, Schutzstreifen für Radfahrer oder auch Geisterradler, die auf der falschen Seite unterwegs sind.
Die Einrichtung von Schutzstreifen für Radfahrer auf den Straßen sieht die Polizei positiv: „Das hat nachweislich zu weniger Unfällen geführt, weil die Radfahrer besser gesehen werden.“ Mit Ausnahme der Parkstraße, die wirklich sehr eng sei, lässt er das Argument, dass dafür eigentlich kein Platz sei, nicht gelten. Autofahrer müssen sich eben in Geduld üben, bis sie in ausreichendem seitlichem Sicherheitsabstand Radfahrer überholen können.
Gerade jetzt in der dunklen Jahreszeit ist das Fahren ohne Licht ein ernsthaftes Problem. Manchmal fragt sich Schlutow, ob die Radfahrer sich gar nicht der Gefahr bewusst sind, in die sie sich begeben. Trotz verstärkter Kontrollen sei bislang nicht zu beobachten, dass in diesem Bereich Licht ins Dunkel kommt. Schlutow: „Es ist ein bisschen ein Kampf gegen Windmühlenflügel.“ Der Verkehrssicherheitsberater ist regelmäßig mit seinen Kollegen in den Schulen, überprüft Fahrräder, weist auf Gefahren hin. Bei der Lichtaktion der Fahrradinitiative seien in diesem Jahr 100 Räder sichtbar gemacht worden. Oft fehlt es an den vorgeschriebenen Reflektoren. Eine batteriebetriebene Beleuchtung ist für die Polizei kein Grund zur Beanstandung, „aber sie muss funktionieren“.
Angesprochen auf den Erfolg der eingesetzten Fahrrad-Polizeistreifen in Münster, auf die der ADFC verweist (Kommentar zum Beitrag „Für Radler freigegeben“ auf Unser38), sagt Schlutow: „Auch wir haben Fahrräder in den Dienststellen, auf denen im Rahmen des normalen Tagesgeschäfts Streife gefahren wird.“
In Braunschweig habe sich viel getan, um den Verkehr fahrradfreundlicher zu gestalten, zum Beispiel mit Ampeln, die Radfahrern vor den Autos grün geben. Dennoch: „Münster ist in vielen Sachen Vorreiter“, sagt Schlutow, der die Stadt gut kennt. Übrigens: Informationen über die Fahrradstraßen in Braunschweig sind im Internet unter www.braunschweig.de (Rubrik „Leben in Braunschweig“) zu finden.

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