Wann blubbern die Wasserpfeifen wieder? | Neue Braunschweiger
16. Juli 2020
Menschen

Wann blubbern die Wasserpfeifen wieder?

Shisha-Bars bleiben in Niedersachsen wegen Corona weiterhin geschlossen – Braunschweiger Betreiber fühlt sich ungerecht behandelt

Zeki Bicici, Inhaber der „Face Café Bar Lounge“, hofft darauf, bald wieder öffnen zu können. Foto: Maria Lüer

Mit großer Hoffnung hatte der Braunschweiger Zeki Bicici in die Zukunft geblickt. Der Hoffnung, dass die Welle der Coronalockerungen nun endlich die Shisha-Bars erreichen würde, also auch ihn und seine „Face Café Bar Lounge“ in der Langen Straße. Nachdem das Land Niedersachsen am Montag ein weiteres Mal die Coronaregeln entschärft hat, war aber klar: Die Nutzung von Shishas bleibt weiterhin untersagt.

Bicicis Enttäuschung ist groß. „Ich fühle mich ungerecht behandelt“, sagt er. „Normale Bars können seit einer Weile wieder öffnen, wenn auch nur unter Auflagen. Im benachbarten Nordrhein-Westfalen etwa dürfen auch längst wieder Shishas an die Gäste verliehen werden – warum also nicht auch in Niedersachsen?“, fragt sich der selbstständige Unternehmer, der auf die spürbare Benachteiligung seiner Lokalität aufmerksam machen will.

Woher genau das Verbot für die Shisha-Bars in Niedersachsen rührt, kann sich der 40-Jährige nicht erklären.
Auf NB-Anfrage verweist das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung auf eine Infektionsgefahr beim Teilen einer Wasserpfeife, die mehrere Anschlüsse für Schläuche hat. „Möglicherweise kann auch im Rauch das Virus übertragen werden, was aber noch nicht sicher ist. Der Gesundheitsschutz der Bevölkerung ist jedoch ein überragend wichtiger Gemeinwohlbelang und auf der anderen Seite sind die Bars durch die Schließung nicht in ihrer Existenz bedroht, da sie Gastronomie und Unterhaltung auch ohne die Wasserpfeifen anbieten können. Es wird laufend geprüft, ob weiterhin verordnete Verbote und Beschränkungen in Anbetracht neuerer Erkenntnisse noch Bestand haben können. Dies hat in der Vergangenheit auch zu den vielen anderen Lockerungen geführt“, heißt es in der Mitteilung.

Bicici darf in seiner Bar zwar Speisen anbieten und Getränke ausschenken, seine Kunden kämen eben jedoch vor allem zum Rauchen. „Wenn ich aber keine Pfeifen anbieten kann, warum sollten sie dann ihre Cola nicht zu Hause trinken?“, meint der Vater von zwei Kindern. Er könne verstehen, dass es strenge Gesetze gibt, um die Coronapandemie einzudämmen. „Daran will ich mich auch halten.“ Doch das Verbot gehe ihm an die Substanz. Er spricht von einem bedrohlichen Gewinneinbruch. „Wo soll das Geld für die Miete herkommen, wenn ich keine Einnahmen habe?“ Gleichzeitig müsste er seine Familie ernähren und ebenso an seine Mitarbeiter denken.

Wenn eine Auflockerung beschlossen werde, könnte der „Face“-Inhaber strenge Hygieneregeln befolgen. Anders als etwa Kneipen und Clubs sieht er Shisha-Bars als Orte, an denen sich die Menschen viel besser unter Kontrolle halten. Außerdem ständen in seiner Lounge genügend Wasserpfeifen zur Verfügung. „Damit könnten wir ganz leicht gewährleisten, dass jeder seine eigene Pfeife mit Einmalschläuchen bekommt“, sagt er. Ein einmal eingenommener Platz beziehungsweise Tisch dürfte nicht gewechselt werden, die Einhaltung der Abstände wäre überall möglich, die Kontakte zum Personal könnten aufs Nötigste reduziert werden. In eine hochwertige Belüftungsanlage sei schon vor Corona viel Geld investiert worden und natürlich ließen sich die Pfeifen auch nach draußen bringen. Hauptsache, die Shishas können endlich bald wieder qualmen.

Übrigens:

Die Schließung von Shisha-Bars in Niedersachsen ist nach einem Beschluss des Oberverwaltungsgerichts in Lüneburg rechtens. Der Antrag einer Restaurant-Betreiberin aus Hannover gegen die Corona-Verordnung des Landes wurde am 1. Juli abgelehnt. Aus Sicht der Richter sei nicht ausreichend belegt, wie riskant der Gebrauch von Shisha-Pfeifen letztlich ist. Der Gesundheitsschutz der Bevölkerung sei von überragender Bedeutung für das Gemeinwohl, heißt es in der Urteilsbegründung

 

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