27. November 2020
Soziales

Warme Suppe und vor allem: „Raus aus der Einsamkeit“

Malteser und Eintrachtfans engagieren sich für Wohnungslose – Von der nächsten Woche an kommt der Versorgungsbus zum Café Kreuzgang

An diesem Tag gibt es nicht nur Suppe. Helfer der Fanabteilung von Eintracht Braunschweig schenken Orangensaft aus – Klaus Uwe B. (links) freut sich über das Angebot, seine Rente ist klein. Foto: Marion Korth

Innenstadt. Alles hat seine Ordnung, in Coronazeiten sowieso. Deshalb kann Leopold Banach vom Malteser Hilfsdienst auch nicht aus dem Vollen, sprich dem großen Suppenkessel schöpfen. Die Suppe ist portionsweise einzeln verpackt, ansonsten dürfte sie ohne Hygienestation mit fließendem warmen Wasser zum Händewaschen gar nicht ausgegeben werden. Gerade ist Andreas Weichelt vom Hof gefahren, der Chef der Suppenbar ist der „Haus- und Hoflieferant“ der Malteser, er kocht und bringt die Suppen zum Vorzugspreis.

Der Parkplatz hinter der Dornse liegt ab vom Verkehr, aber das war es dann auch schon mit der Gemütlichkeit. Immerhin regnet es nicht und ist auch nicht lausig kalt. Gegessen wird im Stehen. Die meisten haben sich ein paar Schritte entfernt in den Schatten verzogen und löffeln schweigend.

„Bedürftigkeit hat viele Gesichter“

Ein Angebot für Wohnungslose, Einsame, Arme. „Bedürftigkeit hat viele Gesichter“, sagt Malteser-Stadtbeauftragter Frank Stautmeister.
Seit Karfreitag sind die Malteser immer mittwochs und freitags da, immer abends zwischen 18.30 und 19.30 Uhr. Sie verteilen die Suppe – immer zwei verschiedene – außerdem Tee und Kaffee. Erst an der Parkhausspindel bei Karstadt und als das Kaufhaus wieder öffnete, von einem Tag auf den nächsten auf dem Parkplatz hinter dem Altstadtrathaus.

Auch ohne große Ankündigung hat sich das schnell herumgesprochen, 30 bis 40 Menschen kommen immer, zum Monatsende, wenn das Geld knapp wird, werden es mehr. „Ich bin ein bescheidener Mensch, ich weiß das zu schätzen“, sagt Uwe Klaus B. „Ich habe Gott sei Dank eine Wohnung“, erzählt er. Aber seine Rente sei klein, ohne zusätzliche Unterstützung komme er nicht über den Monat. Aber es geht ihm nicht nur um die Suppe: „Ich möchte auch mal raus aus der Einsamkeit.“

Das Angebot der Malteser soll die Lücke füllen, die der erste Lockdown im Frühjahr hinterlassen hatte. Besonders Wohnungslose und Menschen in Not traf es hart. Viele hatten das Frühstück und das warme Mittagessen im Tagestreff Iglu fest eingeplant, nun fiel beides wegen der Pandemie aus.

2500 Portionen Suppe

Die Frage, was können wir für die Wohnungslosen tun, führte die Stadt und viele Sozialverbände sowie gemeinnützige Einrichtungen gleich im Frühjahr in großer Sitzung zusammen, so entstand die Idee der Essensausgabe to go, zunächst umgesetzt vom Malteser-Hilfsdienst und dem Aktionsbündnis „Eintracht hilft“. Bis zum Jahresende werden es 83 Einsätze sein, mehr als 1300 Stunden ehrenamtlicher Einsatz und fast 2500 Portionen Suppe.

Nach einer Pause über den Sommer sind zur Verstärkung nun auch wieder Mitglieder der Fanabteilung von Eintracht Braunschweig dabei. Nicht immer können sie Orangensaft ausschenken. Die Flaschen sind eine Spende praktisch von nebenan, in der Dornse und im Altstadtrathaus finden in nächster Zeit keine Veranstaltungen mehr statt. Auch von anderen Seiten kommen Spenden und Unterstützung: Die Fleischerei Neubauer etwa hat eine „Spendenwurst“ verkauft und anschließend 2500 Euro beigesteuert. Kaffeeröster Heimbs stellte eine komplette Kaffeemaschinenausrüstung zur Verfügung. Bevor die Malteser in die Innenstadt fahren, wird erst einmal fleißig Kaffee gekocht. Große Geldsummen kamen von Cattiva Brunsviga und vom Rotary-Club Braunschweig-Hanse, eine große Sachspende von Ikea.

Umzug in den Kreuzgang

Wenn alle Menschen versorgt sind, wird der Transporter der Malteser zum Bauchladen. Leopold Banach hat von der Suppenausgabe hierher gewechselt und füllt mit Sven Kluwe Plastiktüten mit Hygieneartikeln, bestimmt zehn Menschen stehen an für Zahnpasta, Haftcreme, Einwegrasierer, Einmalhandschuhe oder Handcreme. Speziell in der Anfangsphase der Pandemie war Klopapier begehrt. „Wir mussten das Auto abschließen“, sagt Stautmeister.

Kein Vergleich mit diesem Mittwoch, die Atmosphäre ist entspannt und freundlich. Die Zeiten sind wohl ruhiger geworden. Bald ist es Zeit zusammenzupacken. Nur für diesen Tag. Frank Stautmeister: „Es würde schon fehlen, wenn wir sagen: Jetzt ist Feierabend.“ Mit Blick auf den Winter und ungemütlicheres Wetter steht deshalb wieder ein Umzug an. Das Theologische Zentrum hat Hilfe angeboten und öffnet das Café Kreuzgang (Schützenstraße 22). Am Mittwoch, 2. Dezember, wird nun dort die Suppe ausgegeben und dazu ein bisschen menschliche Wärme.
Der Malteser-Hilfsdienst freut sich über weitere Geldspenden, um das Projekt fortzuführen.

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