Wasser gibt es nur auf den Toiletten | Neue Braunschweiger
3. September 2019
Soziales

Wasser gibt es nur auf den Toiletten

Der Schulelternrat der Ricarda-Huch-Schule ist verärgert: Seit einem Jahr keine Cafeteria

Seit einem Jahr hat die Ricarda-Huch-schule keine Cafeteria mehr. Archivfoto: Sierigk

Gliesmarode. Die Eltern des Ricarda-Huch-Gymnasiums sind sauer. Seit mehr als einem Jahr gebe es in der Schule keine Cafeteria mehr, schreibt uns Julia Herrmann vom Vorstand des Schulelternrates. Die Folge: Kinder und Jugendliche können sich nicht mehr mit Essen und Getränken versorgen.

Bereits mehrfach hat sich der Schulelternrat an die Verwaltung und an den Oberbürgermeister gewandt – der Ton ist inzwischen rau geworden. „Seit über einem Jahr ist der Stadt die Planung und Ausschreibung der Gewerke zur Sanierung eines Tresens, der Kühlmöglichkeit und des Fettabschneidens nicht möglich“, schimpft Julia Herrmann über die Verzögerung, die im Schulelternrat niemand nachvollziehen kann.
Wasserspender wie sie der Elternrat vorschlägt – und auch finanzieren würde – seien ebenfalls nicht möglich. Herrmann: „Sie sind nicht hygienisch genug, informierte die Stadt, unsere Kinder müssen sich deshalb ihre Wasserflaschen auf den Toiletten nachfüllen, da sich in den Unterrichtsräumen keine Waschbecken befinden.“

Warmbetrieb zu teuer

Wir haben bei der Stadt nachgefragt, woran es hakt. Stadtsprecher Adrian Foitzik bestätigt, dass es seit August 2018 keine Cafeteria mehr gibt, da der bisherige Betreiber den Betrieb eingestellt hat.
„Anlässlich der Geschäftsaufgabe hat die Stadtverwaltung die Cafeteria in Augenschein genommen und sich bei der Schulleitung erkundigt, wie sie bislang genutzt wurde“, erklärt Foitzik. Dabei sei vonseiten der Schule der Wunsch geäußert worden, künftig auch warme Speisen anzubieten.

Und genau das ist das Problem: Unter den derzeitigen baulichen Gegebenheiten ist das nicht möglich, erklärt die Verwaltung. Die Kosten für den Ausbau würden sich ersten Schätzungen nach auf 70 000 bis 100 000 Euro belaufen – doppelt so viel wie für einen Betrieb mit kalten Speisen und für die Verwaltung deshalb unverhältnismäßig hoch.
„Die Versorgung mit Mittagessen ist aber im Semester in der Mensa der TU in der Beethovenstraße, in den Semesterferien in der dortigen Cafeteria möglich“, betont Foitzik, dafür gebe die Stadt auch Zuschüsse.

Sanierung bis Herbst

Im Moment verfolgt die Verwaltung deshalb die günstigere Strategie: Den Ausbau einer Cafeteria mit kalten Speisen. Die entsprechenden Mittel sind dafür vorhanden, „die Renovierung ist voraussichtlich in den Herbstferien abgeschlossen“, teilt Foitzik mit. In dieser Zeit soll parallel auch ein neuer Betreiber gefunden werden. Da die neu ausgerüstete Cafeteria dann über Kaltgetränke verfügt, erübrigen sich aus Sicht der Stadt auch Getränkeautomaten. „Bezüglich des gewünschten Wasserspenders müssen zunächst Fragen der Unterhaltung, der Wasserhygiene und des Brandschutzes abschließend geklärt werden, bevor über eine Aufstellung entschieden werden kann“, gibt Foitzik zu bedenken.

All diese Punkte seien zu klären und in der Gesamtheit zu prüfen gewesen. „Die Vergabe an einen neuen Caterer kann auch erst stattfinden, wenn klar ist, in welcher Form die Cafeteria künftig ausgestattet sein wird und welches Angebot es dort geben soll. Die Verwaltung bittet insofern um Verständnis, dass gerade auch Kostenprüfungen Zeit in Anspruch nehmen“, so Foitzik.

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