5. März 2022
Buntes

Wenn die Stimme plötzlich kippt

Komödie am Altstadtmarkt zeigt „Misery“ – und Manon Straché zieht alle Register

Annie (Manon Straché) ist außer sich: Der von ihr verehrte Erfolgsautor Paul (Fabien Goedecke) hat ihre geliebte Romanfigur Misery „umgebracht“. Foto: © derBilderbauer/Dominique Leppin/oh

Innenstadt. Nach einem Unfall im Schneesturm findet sich Paul Sheldon in einem abgelegenen Haus wieder. Es gehört Annie Wilkes, die ihn aus seinem Autowrack gezogen und damit gerettet hat. Zum Glück ist Annie Krankenschwester.

Sie hat Paul die gebrochenen Beine und die ausgekugelte Schulter gerichtet und kümmert sich nun fürsorglich und beflissen um das Wohl des berühmten Erfolgsautors, dessen „Fan Nummer 1“ sie ist, wie sie ständig betont.

Die Sache läuft aus dem Ruder

Doch als Annie erfährt, dass Sheldon in seiner neuesten Fortsetzung ihrer Lieblingsromanreihe die von ihr verehrte Heldin „Misery“ sterben lässt, kippt die Stimmung und der Terror beginnt. Annie zwingt den ans Bett gefesselten Paul, einen neuen Roman zu schreiben, in dem „ihre“ Misery weiterlebt. Und langsam begreift er, in welcher Gefahr er schwebt. Während Sheldon um sein Leben schreibt und dabei immer wieder versucht, seine Flucht zu planen, erkennt Annie, dass sie ihn niemals gehen lassen kann und will. Der Wahnsinn nimmt seinen Lauf…
Als Sheriff Buster (Kay Szacknys) auf der Suche nach dem spurlos verschwundenen Autor Annie auf die Schliche kommt, und ihr gefährlich zu werden droht, tut sie, was aus ihrer Sicht getan werden muss: „Irgendwas kommt einem immer dazwischen.“

Straché zieht alle Register

Manon Straché zieht als Annie alle Register, zeichnet mit überbordender Mimik, Gestik und hysterisch kippender Stimme deren Wandlung von der naiven Verehrerin zur Psychopathin eindrucksvoll nach. Die Atmosphäre verdichtet sich, die Bedrohung wird greifbar, das Ganze läuft für jeden erkennbar aus dem Ruder.
Mit ihrer Präsenz und Spielfreude macht sie den Raum für ihren Schauspielkollegen Fabian Goedecke so klein, wie er im Bühnenstück von William Goldman nach dem Roman von Gruselmeister Stephen King tatsächlich ist: Der Mann kann sich kaum rühren, geschweige denn, ihrer erwehren. Die Rolle der Annie Wilkes scheint Manon Straché auf den Leib geschrieben und sie füllt sie mit Vehemenz und Leidenschaft aus. Die Bühne gehört ihr, das Spektakel ist groß und facettenreich.

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Nach gut zwei Stunden steuert das packende Theatervergnügen auf seinen dramatischen Höhepunkt und das Ende zu. Es hat sich gelohnt. „Misery“ wird noch bis zum 26. März gezeigt. Infos unter www.komoedie-bs.de.

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