Wenn nur noch die „Likes“ zählen

Das Mediennetzwerk Braunschweig klärte im Landesmuseum über die Gefahren im Netz auf

Experten auf dem Podium (v.l.): Moderator Feridun Oeztoprak, Ines Fricke (Präventionsteam Polizeiinspektion BS), Martina Mevert-Rasche (Sozialpädagogin IGS Querum) und Anna Temme (Erziehungsberatungsstelle Jasperallee). Foto: Wiefel

Innenstadt. Verbieten, kontrollieren oder einfach vertrauen? Viele Eltern haben ein mulmiges Gefühl, wenn ihre Kinder im Netz unterwegs sind. Doch was ist die richtige Strategie? Das Mediennetzwerk Braunschweig hatte zu diesem Thema ins Landesmuseum geladen. Vier Experten standen Rede und Antwort.

Sexting, Cyber-Grooming, Cyber-Mobbing – schon die Begriffe klingen nach Science Fiction. Doch für Ines Fricke vom Präventionsteam der Polizeiinspektion Braunschweig, sind sie harte Realität. „Wir wollen die sozialen Medien nicht schlecht reden, aber es gibt eine Grauzone, die Sie kennen sollten, wenn Ihr Kind im Internet unterwegs ist“, wandte sie sich an die rund 130 Zuhörer. Gemeinsam mit Martina Mevert-Rasche, Sozialpädagogin an der IGS Querum, Anna Temme von der Erziehungsberatungsstelle Jasperallee und Stefan Schaper vom Mediennetzwerk Braunschweig brachte sie etwas Licht in die dunkleren Seiten des Netzes.

Ein Beispiel: Die Tochter chattet mit einem anderen Mädchen über Pferde. Doch ist ihr Gegenüber wirklich eine Gleichaltrige? Oder ist es ein Mann, der sich vielleicht nur als Julia ausgibt und Kontakt oder ein Treffen sucht?
Oder: Ein Mitschülerin wird heimlich fotografiert, das Foto verändert, vielleicht erotischer gemacht und ins Netz gestellt. „Es gibt Leute, die nach solchen Fotos suchen und in Kontakt kommen wollen – so genannte Cyber-Groomer“, klärte Fricke auf und warnte: „Wer ein Foto hochlädt, ohne um Erlaubnis gefragt zu haben, macht sich strafbar.“
Nachdenkliche Gesichter im Saal. Was sollen, was können Eltern also tun? Hart durchgreifen oder doch lieber das Gespräch suchen?

„Ich habe meiner Tochter das Smartphone zur Verfügung gestellt und vereinbart, dass ich stichprobenartig kontrollieren darf, wo sie im Netz unterwegs ist“, erzählte eine Mutter aus dem Publikum von ihrem „Deal“ mit der 13-Jährigen. Andere wählen lieber psychologische Mittel: „Ich rate den Jugendlichen, sich den ekeligsten Menschen vorzustellen, den sie kennen. ‘Willst du, dass der ein Foto von dir herunterlädt, vielleicht sogar als Bildschirmschoner abspeichert?’, frage ich dann“, erzählte eine andere Zuschauerin.

Klar ist: DAS Patentrezept gibt es nicht. „Schon Grundschulkinder surfen mit dem Smartphone im Netz. Mit ihnen muss man anders reden als mit Jugendlichen“, sagte Stefan Schaper, für den auch feststeht, dass hartes Durchgreifen keine Lösung ist. „Einfach verbieten – das hilft nichts, das Smartphone bekommt dann nur noch einen größeren Reiz“, machte er klar. Statt auf Konfrontation zu gehen, rät Anne Temme den Eltern, Sorgen offen und ehrlich zu teilen. „Bringen Sie Ihren Kindern das Netz genauso näher wie den Straßenverkehr: Wo ist es sicher? Wo ist es gefährlich? Und: Gehen Sie mit gutem Beispiel voran. Wenn das Smartphone wichtiger wird als das Gespräch und die Zeit miteinander, dann suchen sich Kinder ihre Bestätigungen in den sozialen Medien. Dann zählt nur noch, wie viele ‘Likes’ ich bekomme“, betont Temme.

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