Wer hat an der Uhr gedreht …

In der Nacht zu Sonntag beginnt die Sommerzeit – Tage der Zeitumstellung sind gezählt

Die Zeitumstellung soll abgeschafft werden. Foto: PIXABAY/oh

Braunschweig/Helmstedt. Der Sommer kommt zurück – wenn auch zunächst nur auf der Uhr.

In der Nacht zum Sonntag (31. März) werden die Zeiger um eine Stunde vorgestellt – von 2 Uhr auf 3 Uhr.
Lange wird das Spiel mit der Zeit wohl nicht mehr dauern: Das EU-Parlament hat sich für eine Ende der Umstellung im Jahr 2021 ausgesprochen. Zu viele Menschen leiden unter einem Mini-Jetlag.

Das meint auch Dr. Si Huyen Nguyen, Leiter des Schlaflabors und Leitender Oberarzt der Kardiologie in der Helios Sankt Marienberg Klinik Helmstedt.

„Jeder Mensch hat seine innere Uhr, nach der er lebt. Die biologischen Funktionen unseres Organismus richten sich danach – jedoch nicht ganz ohne äußere Einflüsse. Während junge gesunde Menschen die Zeitumstellung in der Regel problemlos wegstecken, kann der Organismus älterer oder kranker Menschen bis zu zwei Wochen benötigen, sich anzupassen“, so der Experte.

„Zeitumstellung bringt  Jetlag“
Der Helmstedter Schlafmediziner Dr. Si Huyen Nguyen über Trägheit und Müdigkeit

Gerade mit der Zeitumstellung spiele unter anderen das Schlafhormon Melatonin beispielhaft eine wichtige Rolle, sagt Dr. Si Huyen Nguyen.

Mini-Jetlag
„Die Produktion von Melatonin wird mit vom Tageslicht reguliert. Klingelt der Wecker plötzlich um 5 Uhr statt um 6 Uhr, ist es morgens noch dunkel. Das Melatonin ist dann noch nicht vollständig abgebaut und sorgt für Trägheit, Müdigkeit, und Konzentrationsschwäche“, so der Schlafmediziner von der Helios Klinik Helmstedt. Und fügt hinzu:
„Zudem kann der Mini-Jetlag allgemeines Unwohlsein, depressive Verstimmung, Gereiztheit und gastrointestinale Beschwerden hervorrufen – jedoch wie gesagt nur in einer begrenzten Zeit und er führt in der Regel nicht zu ernsthafter Gesundheitsschädigung.“

Gestörter Rhythmus
Dennoch: Bei Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder einem Schlafapnoe-Syndrom könne die Zeitumstellung den gesundheitlichen Allgemeinzustand aufgrund des gestörten Schlaf-Wach-Rhythmus und damit verbundenen möglichen Schlafstörungen und Kreislaufstörungen empfindlich beeinflussen.

Übrigens: Das Ende der Zeitumstellung ist am vergangenen Dienstag mit der Abstimmung im Europäischen Parlament einen entscheidenden Schritt näher gerückt. Genau 410 Abgeordnete votierten in Straßburg dafür, 192 dagegen, 51 enthielten sich der Stimme.

Bevor nun die abschließende Entscheidung kommen kann, müssen sich allerdings die EU-Verkehrsminister auf eine gemeinsame Linie einigen.

EU-Kompromiss nötig

Anschließend müssen sie mit Unterhändlern des EU-Parlaments einen Kompromiss finden. Damit wird allerdings nicht vor Herbst 2019 gerechnet.

Der Helmstedter Schlafmediziner Dr. Si Huyen Nguyen weiß, was müde Menschen munter macht. Foto: Thomas Oberländer/Helios Klinik Helmstedt

 

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