28. März 2021
Wirtschaft

„Wer kann, sollte Tests anbieten“

AAI-Vorstand Olaf Jaeschke macht Druck, viele Apotheker ziehen schon mit

Eine Mitarbeiterin in der Teststation zeigt einen negativen Antigen-Schnelltest. Symbolbild: BZV-Archiv/Maria Osburg

Braunschweig. Olaf Jaeschke ist auf allen Kanälen aktiv. Dem Vorsitzenden des Arbeitsausschusses Innenstadt (AAI) geht das aktuelle Coronamanagement ziemlich an die Nerven. Vor allem geht es ihm nicht schnell genug. „Impfen und testen, das sind die einzigen Hebel, die wir gegen das Coronavirus zur Zeit haben“, betont er.

Dass der Impfstoff noch immer Mangelware ist, nimmt er nur noch kopfschüttelnd zur Kenntnis. Aber beim Thema Testen kommt der Galerist in Fahrt. „Alle, die irgendwie können, müssen jetzt Tests anbieten“, fordert er Bürger und Unternehmer auf. „Wir starten unsere eigene Initiative“, erklärt er. Das Test-Drive-In und der Test-Bus hinter dem Schloss seien schon die Schritte in die richtige Richtung. Aber jetzt müsse es weitergehen. „Wenn wir merken, es ist Bedarf da, müssten wir in der Lage sein, in der Innenstadt Zelte aufzubauen oder Leerstände zu nutzen.“

 

Olaf Jaeschke. Foto: Ansgar Wilkendorf

Während er auf der einen Leitung mit einem Unternehmerkollegen telefoniert und berät, wie der in einem Leerstand möglicherweise Tests anbieten kann, klingelt auf dem anderen Handy Bernd Althusmann durch. Olaf Jaeschke hat einen engen Kontakt zum Wirtschaftsminister und ist im ständigen Dialog mit ihm.
„Wir brauchen kreative Lösungen“, fügt er etwas entnervt an, „sonst kommen unser Handel, unsere Gastronomie und unsere Kultur komplett unter die Räder.“
Eine App, die mit negativem Coronaergebnis wie eine Eintrittskarte wirken kann, ist im Gespräch. Aber eben noch nicht weiter. „Wo stehen wir eigentlich beim Thema Künstliche Intelligenz?“, fragt Jaeschke leicht fassungslos, „das ist doch ein Trauerspiel.“

Bezirksapothekerin Ines Eder. Foto: Peter Sierigk

Ines Eder gehört zu denen, die sofort mit anpacken. „Wir Apotheker tun, was wir können“, sagt sie als Bezirksapothekerin auch für ihre Mitglieder. Zwölf der 65 Apotheken in Braunschweig testen bereits. „Viele weitere bereiten sich vor, oder versuchen es zumindest“, erklärt sie. In ihrer Einhorn-Apotheke erlebt sie die Probleme täglich. „Wir brauchen Räume zum Testen und für die Menschen zum Warten“, erklärt sie.

Vor allem die vielen älteren Kunden müssten eingehend beraten und betreut werden. „Ein organisatorischer Kraftakt, den viele von uns nicht leisten können“, sagt sie. Auch Selbsttests könnten ein sinnvoller Puzzlestein sein, allerdings sind sie für Apotheker nur zu überteuerten Preisen zu kaufen.
Für sie unverständlich, dass Deutschland nicht in der Lage sei, Testtermine zentral zu vergeben. „Da macht uns Österreich etwas vor“, weiß sie, „dort gibt es ein staatliches, gut funktionierendes Buchungssystem.“

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