Wettrennen um Bauland: Stadt will sich besser aufstellen | Neue Braunschweiger
27. Januar 2021
Politik

Wettrennen um Bauland: Stadt will sich besser aufstellen

Verwaltung schlägt vor, Flächen auf Vorrat zu kaufen - Rat soll im Februar entscheiden

Die neue Nordstadt: Hier steuerte die Stadt mit. 20 Prozent des Wohnraums sind öffentlich gefördert und damit auch für Menschen mit kleinem und mittleren Einkommen erschwinglich. Foto: Stefan Lohmann/regios24

Braunschweig. Braunschweig ist begehrt. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte ist: Bauland ist mittlerweile so knapp, dass die Kosten für einen Quadratmeter dreimal über dem Landesdurchschnitt liegen. Seit rund sechs Jahren steigen die Preise sprunghaft an.

2020, hat die Verwaltung errechnet, kostete ein Quadratmeter rund 389 Euro, 2014 waren es noch 156 Euro. Um diese Entwicklung abzubremsen will die Stadt künftig stärker eingreifen. „Wir brauchen Flächen für bezahlbares Wohnen, für Gewerbe und expandierende Forschungseinrichtungen“, sagt Oberbürgermeister Ulrich Markurth über die Marschrichtung.

Kaufen vor dem „Run“

Der Plan: Braunschweig erwirbt Flächen nicht erst, wenn sich ein Bedarf abzeichnet, sondern auf Vorrat und zu einem Zeitpunkt, an dem der „Run“ darauf noch nicht eröffnet ist. In Städten wie Münster wird diese Strategie schon erfolgreich umgesetzt. Zum einen will man damit den Anstieg der Bodenpreise dämpfen und einem überhitzten Markt entgegenwirken. Zum anderen behält die Stadt die Hand auf die Gebiete. „Wir wollen als Kommune stärker mitbestimmten, was wo entsteht und zu welchen Konditionen“, kündigt OB Markurth an.

Der Handlungsdruck ist groß. Zwar gibt es – etwa beim Thema Wohnen – längst ein Konzept für bezahlbaren Wohnraum und eine 20-Prozent-Quote für sozialen Wohnungsbau. Doch die Flächen werden immer rarer und – die Konkurrenz ist schläft nicht. „Die Immobilienwirtschaft ist sehr gut und sehr professionell aufgestellt. Da müssen wir, als Konzern Stadt, auch hin“, betont Finanzdezernent Christian Geiger. Vorausschauend kaufen und dadurch kostengünstigere und fürs gleiche Budget mehr Areale erwerben – mit dieser Strategie, so die Hoffnung, ließen sich auch die Ziele des ISEK,
des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes, besser erreichen. „Wir kaufen die Flächen zum Bodenwert und vor Einleitung der Planung, geben den
preisgünstigen Einkaufspreis weiter und können gleichzeitig die Art des Wohnungsbaus steuern“, macht OB Markurth eine einfache Rechnung auf.

Stadt bestimmt die Regeln

Dafür sollen künftig feste Regeln gelten. Beispiel Ackerland: Verkauft ein Eigentümer seine Flächen im Speckgürtel Braunschweigs erhält er von der Stadt einen Ankaufswert, der deutlich über dem Bodenrichtwert liegt. Eine Planung für Baurecht wird aber nur eingeleitet, wenn die Kommune auf mindestens die Hälfte des Areals Zugriff hat. „Für private Investoren bleibt der Erwerb attraktiv“, stellt Markurth klar. „Denn die geringeren Ankaufskosten können wir an Wohnungsbaugesellschaften, Investoren und private Bauherrn weitergeben.“ Für Flächen innerhalb der Stadt
wird eine Ankaufsquote nicht vorgeschrieben sein, erklärte Stadtbaurat Heinz-Georg Leuer. Längst hat die Verwaltung ein Auge auf bestimmte Flächen geworfen und würde – so der Rat zustimmt, auch höhere Ausgaben für den Kauf von Grundstücken einplanen. Dennoch erfolge der Ankauf mit Augenmaß, so Finanzdezernent Heinz-Georg Leuer: „Wir kaufen keine Flächen für die nächsten 20 Jahre.“

Info: 

Zwei Jahre lang hat eine Arbeitsgruppe der Verwaltung zusammen mit dem Deutschen Institut für Urbanistik (Difu) in Berlin das neue baulandpolitische Konzept erarbeitet. Stimmt der Rat zu, geht es in die Feinplanung.

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