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Wie die „Westermänner“ auf die Ente kamen…

Mitarbeiter des Verlagsservice Braunschweig haben eine kleine Stockente „adoptiert“ und versorgen sie

Die „Westermänner“ am Löschwasserbecken, in dem „ihr“ Entenküken lebt. Von links: Benjamin Posenau, Robert Wosnitza, Dominic Paus, Matteo Cafaro, Christopher Michel, Heiner Kaube, Laura Eckhardt und Georg Korona. Fotos (2): Stefanie Druschke

Südstadt. Grundsätzlich befassen sich Journalisten ja ungern mit Enten, zumindest mit „Zeitungs-Enten“. Aber die folgende Entengeschichte will erzählt werden.

Eine Gruppe gestandene „Westermänner“ (und eine Kollegin in ihrer Mitte): Ich hätte vermutet, in ihren Arbeitspausen quatschen sie über Themen wie Eintracht, die Formel 1 oder TV-Serien. Weit gefehlt: Schon seit Wochen gibt es hier nur ein Gesprächsthema – ein kleines Entenküken. Kurz nach Ostern entdeckten die Kollegen vom VSB (Verlagsservice Braunschweig), der zu Westermann gehört, das einsame Stockentenküken im Löschteich hinter der Lagerhalle an der Schwartzkopffstraße. Da war keine Entenmama in Sicht, auch keine Geschwisterchen. Was also tun?

Das Entenküken.

Fürsorgliche Entenpfleger auf Zeit

Zunächst riefen sie die Tierrettung und erfuhren, dass der Versuch, das Küken einfangen zu wollen, ziemlich aussichtslos sei. Aber der Natur ihren Lauf und das Kleine seinem Schicksal überlassen? Das kam für die „Westermänner“ nicht in Frage. Zumal sie neben dem Entchen noch einen toten Rotmilan im Löschwasserbecken gefunden hatten. Ihre Vermutung: Bei dem Versuch, sich das Entlein zu schnappen, ist der Raubvogel mit Wasser in Berührung gekommen und womög-lich mit vollgesogenem Gefieder ertrunken. „Am Ende war aber der Stärkere tot und der Schwache ist quicklebendig“, so das trockene Fazit von Georg Korona. Schlau und stark sei die kleine Ente, sagt er nicht ohne Stolz. Seine Kollegen nennen ihn den „Entenvater“, denn er hat sich besonders um das Tier verdient gemacht.

Kleiner Kämpfer mit Begleitschutz

Erst einmal war da die Frage des Futters zu klären. „Wir haben alle immer mal Brot und Brötchen hingeworfen, aber das ist auf Dauer ja nicht gut“, erzählt Korona. Also hätten sie alle Tierbedarfsläden nach Küken-Starterfutter abgesucht, um das Entlein füttern zu können – erfolglos. Schließlich habe er im Internet recherchiert und sich erinnert, womit in seiner Kindheit die Enten gefüttert wurden: Spitzwegerich, Schafgarbe und Brennnesseln.
Zweimal am Tag bekommt das „Pflegekind“ nun Grünfutter, vermischt mit Haferflocken. „Aus unserer Sicht eine gesunde Ernährung“, glaubt Korona, der in der Nähe wohnt und sich auch am Wochenende um die Fütterung kümmert. Auf jeden Fall wächst und gedeiht „Jack“ ganz prächtig. Sie nennen ihn auch „Don Schlawini“ und „Schlawinski“, weil er so ausgefuchst ist. „Zum Schlafen zieht er sich in eines der Zulaufrohre zurück, die ins Löschwasserbecken münden“, erzählt Matteo Cafaro. Schließlich sei er ja auch ständig in Gefahr gewesen, von Turmfalken, Rotmilanen, Bussarden oder Krähen erwischt zu werden. „Aber jetzt ist der kleine Kämpfer wohl langsam außer Gefahr.“ „Und wenn er dann irgendwann einmal wegfliegt, kriegt er von uns Begleitschutz mit Drohnen“, witzelt sein Kollege Benjamin Posenau.

Berühmt bis über die Grenzen hinaus

„Seit Wochen beschäftigen wir uns alle nur noch mit dem kleinen Kerl, er ist immer Thema Nummer eins. Bei Schichtbeginn fragt jeder erst einmal besorgt die Kollegen: Ist er noch da? Hat er gefressen?“, erzählt Georg Korona. Sogar bis nach Australien sei die tierische Geschichte schon gekommen. „Meine Schwester hat das auf Facebook berichtet und jetzt gibt es da schon eine richtige Fangruppe“, schmunzelt er abschließend.

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