„Wir bieten hier keinen Schmusekurs an“

Die Täterberatungsstelle Häusliche Gewalt versteht ihre Arbeit als Prävention – Das Prinzip: Täterarbeit ist Opferschutz

Beate Ulrich (li.), Vanessa Reupke und Stefan Löhmann erläuterten das Konzept der Täterberatungsstelle. Foto: Stefanie Druschke

„Das ist kein Schmusekurs, den wir hier anbieten“, macht Beate Ulrich deutlich. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Stefan Löhmann arbeitet die Sozialpädagogin in der Täterberatungsstelle Häusliche Gewalt, die im Februar in angemieteten Räumen im Rebenpark gestartet ist.

Im vergangenen Jahr hatte sich die Stadt Braunschweig dazu entschieden, ein solches Täter-Programm zu etablieren und ist damit die einzige niedersächsische Kommune, die eine solche Maßnahme aus eigenen Mitteln finanziert.
Im Mai begann der erste Kurs mit drei Teilnehmern, in der vergangenen Woche stellte die Beratungsstelle, deren Träger die Jugendhilfe Wolfenbüttel ist, ihre Arbeit vor.

Zielgruppe sind Männer, die gegenüber ihrer Partnerin körperlich, seelisch oder sexualisiert gewalttätig geworden sind. Dabei geht die Beratungsstelle pro-aktiv auf die Täter zu – in enger Zusammenarbeit mit Polizei, Staatsanwaltschaft oder Amtsgericht, die eine Teilnahme am Programm verfügen. Der Kurs kann aber auch auf freiwilliger Basis oder auf Initiative aus dem sozialen Umfeld des Täters („Du musst was tun!“) besucht werden.
Seit dem, so Ulrich, habe es schon 62 Kontaktaufnahmen zu Tätern gegeben, das sei für den Beginn sehr viel. Ziel sei es, rechtzeitig gegen zu steuern. Das Prinzip: Täterarbeit ist Opferschutz.

Wichtigste Voraussetzung für die Teilnahme ist laut Stefan Löhmann die Veränderungsbereitschaft der Teilnehmer, die in einem persönlichen Vorgespräch abgeklopft wird. Ist die gegeben, nimmt der Täter an einem sechsmonatigen Training mit 24 wöchentlichen Gruppensitzungen und Einzelgesprächen teil. Der Kurs ist fortlaufend konzipiert, sodass ein zeitnaher Einstieg möglich ist. In mehreren Modulen geht es für die Teilnehmer darum, die Auswirkungen ihres gewalttätigen Verhaltens zu erkennen, sich mit ihrer Tat auseinanderzusetzen und zu lernen, wie sie ihr Verhalten in Krisensituationen ändern können.

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