29. Mai 2021
Sport

„Wir brauchen einen echten Neuanfang“

Eintracht-Ehrenpräsident Sebastian Ebel äußert sich im Interview zur aktuellen Lage des Vereins

Nach dem Aufstieg der Eintracht in die 2. Fußball-Bundesliga hatte sich Sebastian Ebel als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender zurückgezogen, ist aber immer noch Ehrenpräsident des Vereins. Foto: Susanne Hübner/imago images

Braunschweig. Viele Jahre lenkte Sebastian Ebel als Eintracht-Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender der Kapitalgesellschaft die Geschicke der Löwen. Nach dem Aufstieg im vergangenen Sommer zog er sich zurück, wurde nach der Wahl seines Nachfolgers Christoph Bratmann zum Ehrenpräsidenten der Blau-Gelben berufen und strebt aktuell auch kein anderes Amt in den Gremien an. Wenige Tage nach dem letzten Spieltag äußert sich der Unternehmer über die abgelaufene Spielzeit.

Herr Ebel, nach Ihrem Rückzug vor zehn Monaten ist Eintracht wieder in der dritten Liga angekommen. Wie haben Sie die erste Saison nach Ihrer Amtszeit als Außenstehender erlebt?
Am Anfang, gerade nach dem Sieg gegen die Hertha, mit viel Euphorie, danach traurig, nicht mehr ins Stadion gehen zu können und zum Schluss immer mehr ernüchtert. Wahrscheinlich ist es mir so ergangen, wie den vielen anderen Fans auch.
Gibt es einen oder mehrere Spieler, die Sie trotz des Abstiegs überzeugt beziehungsweise beeindruckt haben?
Natürlich gab es Jungs, die sich total für den Verein eingesetzt haben. Es gab aber auch viele Mitläufer, mit den vermeintlich großen Namen, die mich schon sehr enttäuscht haben. Da hat die Kaderzusammenstellung nicht gut funktioniert. Ich hoffe sehr, dass die dafür Verantwortlichen auch im Aufsichtsrat die Verantwortung hierfür übernehmen

Ganz allgemein gesprochen: Welche Folgen zieht so ein Abstieg in die dritte Liga für einen Verein in sportlicher und wirtschaftlicher Sicht nach sich?
Ein solcher Abstieg ist immer eine sehr bedrohliche Situation, sowohl sportlich, als auch finanziell. Ich hoffe sehr, dass die Zweitligasaison genutzt wurde, ein solides finanzielles Fundament zu erhalten.

Unter welchen Umständen ist für Eintracht ein neuer Angriff in Richtung 2. Liga realistisch?
Erst einmal brauchen wir einen echten Neuanfang, sowohl auf sportlicher Seite als auch im Aufsichtsrat. Dazu benötigen wir einen Schulterschluss zwischen Präsidium, Fans und Vertretern aus der Wirtschaft, bei denen der Verein und nicht das eigene Ego im Vordergrund steht. Und natürlich sportliches Know-how. Dankbar bin ich für die Arbeit, die im Kubus trotz schwierigster Situation von vielen geleistet wurde, auch darauf lässt sich aufbauen.

Die Fans durften ihre Mannschaft im Abstiegskampf im Stadion nicht unterstützen. Wird das Verhältnis zum Verein durch den Abstieg und die anhaltende Pandemie eher komplizierter oder bieten sich Chancen für ein neues Miteinander?
Die Situation ist aufgrund der aktuellen Situation natürlich schwierig. Wir haben erfahren müssen, wie sehr uns Kommunikation und Emotionalität fehlt. Allerdings gibt es so viele Menschen im Umfeld, denen primär die Eintracht am Herzen liegt. Gemeinsam können wir trotz größter Herausforderungen wieder erfolgreich sein, wenn wir zusammenstehen.

Wie werden sich die Folgen der Corona-Pandemie im Allgemeinen auf den Fußball auswirken?
Wir haben wohl alle gemerkt, dass Fußball ohne eine intakte Fanbasis und ohne Zuschauer an Attraktivität verliert. Wir sollten ein Mehr an Emotionalität und ein Weniger an Kommerz wagen.

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