„Wir brauchen einen Treffpunkt in der Innenstadt“ | Neue Braunschweiger
2. Januar 2020
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„Wir brauchen einen Treffpunkt in der Innenstadt“

Der tunesische Fotograf Nizar Fahem will mit seinem Verein ACPW eine Plattform schaffen für Menschen aus aller Welt

Nizar Fahem.

Innenstadt. „Das Wir-Gefühl gibt es nicht“, sagt Nizar Fahem, „mehr als 150 Nationen leben in Braunschweig, aber meistens bleiben die verschiedenen Ethnien unter sich.“ Das findet der Fotograf aus Tunesien nicht nur schade, dagegen will er auch etwas tun. Unter anderem mit seinem Verein Art Culture Poverty Worldwide, kurz ACPW.

Armut bekämpfen, Aufklären, und – eine Kultur der Gemeinsamkeit entwickeln und pflegen – das sind grob die Ziele von ACPW. Die Vereinsarbeit ist mühsamer, als Fahem und seine Mitstreiter sich das erträumt haben, die Spenden fließen noch spärlich.

„Ich wünsche mir auch mehr Unterstützung von offizieller Seite“, sagt er, „es gibt hier nur eine Kultur für Weiße.“ Im Wettbewerb um Fachkräfte, aber auch als moderne Großstadt müsse die Stadt sich um ein Wohlfühlklima für alle bemühen. „Das Haus der Kulturen ist zwar eine gute Einrichtung, dort finden auch großartige Veranstaltungen statt, aber eben auch nur zu bestimmten Terminen“, sagt er.

Ein Foto von Nizar Fahem aus Sansibar.

Was würde helfen? „Zum Beispiel ein Tagestreff. Mitten in der Stadt. Vor allem für Frauen mit Kindern. Deutsche und ausländische Frauen. Ganz ohne Eintritt, ganz ohne Mitgliedschaft, einfach so. Mit Indoorspielplatz. Ein großes offenes Kulturzentrum: hingehen, gemeinsam reden, essen, Musik hören, Vorträge, Ausstellungen – gemeinsames Leben eben.“
Bis dahin versucht er so gut es geht zu helfen und zu organisieren. Zur Zeit hat er die Möglichkeit, eine Galerie im Welfenhof zu bespielen. Das heißt, er verkauft Fotos von sich und Gemälde von Künstlern aus dem Ausland. „Ich habe gerade Bilder von Malern aus dem Irak und einigen afrikanischen Staaten“, erzählt er, „für diese Menschen ist es oft schon eine riesige Herausforderung, sich allein die Farben zu leisten“, weiß er von seinen zahlreichen Reise durch die Welt, auf denen er immer wieder Armut und Ungerechtigkeit dokumentiert. „Oder hier“, sagt er und nimmt ein Bild hoch, „es ist auf eine aufgetrennte Leinentasche gemalt, weil der Künstler kein Geld für eine Leinwand hat.“

Der Verein liegt Nizar Fahem am Herzen. „Seit meiner Kindheit bin ich Mitglied von unterschiedlichen Hilfsorganisationen. Kunst und Kultur in Zusammenhang mit Armut haben mich immer sehr berührt. Der Verein will Konzerte, Vorträge und Lesungen veranstalten und damit Spenden für Hilfsprojekte im In- und Ausland sammeln. Das ist die Grundidee. Insbesondere internationalen Künstlern, die über keine eigenen finanziellen Mittel verfügen, möchten wir eine Plattform bieten, ihre Kunst darzubieten. Und wir wollen, dass sich Menschen miteinander vernetzen.“

Nizar Fahem freut sich über Mitstreiter: Über Facebook ACPW e.V., oder auf seiner Homepage www.dejavue-foto.de.

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