„Wir brauchen uns nicht zu verstecken“ | Neue Braunschweiger
9. November 2020
Buntes

„Wir brauchen uns nicht zu verstecken“

Ewa Haas Stark aus Flechtorf ist Best-Ager-Model – Seit ihrer Bewerbung zur „Miss Germany 50 plus“ läuft es für sie

Als Model ist Ewa Haas inzwischen sehr gefragt. Sie will Frauen über 50 Mut machen. Foto: I. Golenkova/oh

Flechtorf. „Moment“, sagt Ewa Haas Stark und rückt den Topf vom Herd. Wir erwischen die Flechtorferin in der Küche. Auf dem Speiseplan: Kürbissuppe. „Das Rezept stelle ich später auf Instagram“, kommt es gut gelaunt durchs Telefon.

Keine Frage: Die Frau weiß, was ihre Fans sehen wollen. Fast 7000 Follower hat die gebürtige Polin seit sie als Kandidatin für Miss Germany 50 plus über den Laufsteg schritt. Und schon jede Menge neue Projekte am Start.

2019 kämpfte Ewa Haas Stark (links) um den Titel „Miss Germany 50 plus“. Foto: Tobias Dick/oh

Generation Käfer

„Der Wettbewerb 2019 war ein Türöffner“, sagt sie. Und staunt selbst über den Erfolg: „Ich hätte nie gedacht, dass Best Ager als Models so gefragt sind.“ Der jüngste Beweis dafür ist ein Bildband, in dem dreißig 50-plus-Models aus ganz Deutschland versammelt sind – auch Ewa aus Flechtorf. Der Fotograf Klaus von Kassel wollte mit „Photogenic Babyboomer“ zeigen, wie attraktiv und sexy die „Generation Käfer“ ist. Eine Überzeugung, die Ewa Haas Stark teilt: „Wir brauchen uns nicht zu verstecken.“

Das neueste Projekt: Ewa ist eines von 30 Best-Ager-Models im Bildband „Baby Boomer“. Foto: Klaus von Kassel/oh

Cover-Girl und Videostar

Bei der Miss-Wahl belegte die 52-Jährige zwar „nur“ den sechsten Platz, aber die Angebote kamen. Und wie. Ein Shooting in Krakau, Cover Girl auf einer Livestyle-Zeitschrift, Tourismusbotschafterin der Stadt Bad Lauterbach. Mal ist sie Geschäftsfrau, mal Mutter, mal Sportmodel. Das hat sie verändert. „Modisch, selbstbewusst – das war ich früher schon. Aber jetzt weiß ich auch, wie ich mich vermarkten kann“, sagt Ewa.
Neben einer Agentur nutzt sie dafür vor allem die sozialen Netzwerke. Ewa ist Influencerin für Kosmetik, bewirbt Bücher und verrät nebenbei eben auch mal ihr Rezept für eine Kürbis-Apfel-Zwiebel-Suppe („Den Kürbis am besten vorher in der Mikrowelle weich werden lassen, dann kann man ihn besser schneiden“).

No-Gos gibt’s auch

Wer sich so in der Öffentlichkeit präsentiert, braucht neben Mut ein dickes Fell. Denn natürlich erreichen Ewa auch Angebote, die sie nicht will. Als Unterwäsche-Modell zum Beispiel. Oder sie bekommt gehässige Posts. Ewa hat gelernt, damit umzugehen. Aufhören kommt jedenfalls nicht in Frage. „Ich bin in einem Alter, in dem vieles umbricht. Die Kinder gehen aus dem Haus, das Familienleben verändert sich, da kann man in ein Loch fallen“, weiß sie.

Sexy wie ein Bond Girl. Ewa Haas Stark ist nicht nur Modell für Bikini-Mode. Sie macht auch selber viel Sport. Foto: Photography Grube Oko/oh

Trotz Vollzeitjob in einem Braunschweiger Modeunternehmen hat sie sich entschieden, die freie Zeit gut zu nutzen. „Jeder hat die Chance dazu“, ist Ewa überzeugt. Für Figur und Aussehen treibt sie viel Sport, sie ernährt sich gesund und schläft ausreichend, „auf keinen Fall zu Mittelchen greifen“, warnt sie. Manche unerwartete Reaktion schmeichelt auch. „Sie glauben nicht, wie viele Heiratsanträge ich bekomme“, lacht Ewa. Nur gut, dass ihr Mann, den sie nach vielen Jahren „wilder Ehe“ 2019 geheiratet hat, die „Fanpost“ gelassen nimmt…

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