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„Wir dreschen nicht einfach los“

NB-Porträt: Die zwölfjährige Bilge Sahin ist Kickboxerin und lebt jede Minute für ihren Sport

Bilge (rechts) in voller Montur. Rund zwei Kilo wiegt die Ausrüstung,. Foto: oh

Braunschweig. Zu ihrem ersten Training kam sie im Tutu. Nicht ganz das, was Bilge heute an Ausrüstung trägt. Und doch verpackt sich die Zwölfjährige inzwischen lieber mit einem kiloschweren Beinschutz, Brustschutz, Armschutz, Zahnschutz und einem Helm, als in leichte Ballettschläppchen zu schlüpfen.

Bilge Sahin ist Kickboxerin beim SC Budokan. Und richtig erfolgreich. Erst im März wurde sie von der Stadt im Rahmen der Sportlerehrung geehrt, stand schon mehrfach als Deutsche Meisterin auf dem Treppchen und hat auch schon auf internationalem Parkett geboxt. Dabei ist sie erfrischend natürlich geblieben.

Ordentliches Pensum

„Als sie jünger war, habe ich mehr die Ballerina in ihr gesehen“, erzählt Mutter Seher Sahin. Also machte die kleine Bilge ganz klassisch Ballett – bis sie eines Tages neugierig einen Raum weiterging und unvermutet in ein Training für Kickboxen stolperte. Von da ab übte die damals Siebenjährige nicht nur elegante Pirouetten, sondern auch Tritte und Schläge. „Kickboxen macht einfach unheimlich viel Spaß“, erzählt Bilge begeistert. Inzwischen hat sie andere Sportarten an den Nagel gehängt und konzentriert sich nur noch aufs Kämpfen.
Zwei- bis dreimal in der Woche packt das grazile Mädchen ihre Sporttasche fürs Training, vor großen Wettkämpfen können es auch schon einmal vier Termine in der Woche sein – inklusive Reisen zu Europa- und Weltmeisterschaften wie kürzlich zu den Irish Open in Dublin. Ein ganz schönes Pensum für eine
Zwölfjährige. Bleibt da noch Zeit zum Lernen? „Kein Problem“, sagt Bilge und lächelt.
Das Ricarda-Huch-Gymnasium sei stolz auf sie. „Ich habe dort inzwischen einen guten Ruf und werde von den Lehrern unterstützt“, sagt die Zwölfjährige selbstbewusst.

Ärgerliche Vorurteile

Was sie mehr irritiert, sind die Vorurteile, die gegen den Kampfsport vorgebracht werden. „Wir dreschen nicht einfach aufeinander ein“, sagt Bilge. Gerade ihre Disziplin – das Point-Fighting – sei sehr taktisch angelegt, „fast ein bisschen wie Schach oder Fechten, wo auch der nächste Zug gut geplant werden muss“. Dabei würden die Bewegungen sehr kontrolliert ausgeführt werden. „Im Point Fighting geht es um Punkte, nicht darum, den Anderen k.o. zu schlagen“, so Bilge.

„Jungs geben schnell auf“

Erst vergangene Woche warb sie wieder für ihre Leidenschaft: Beim Projekttag an ihrer Schule leitete sie ein Schnuppertraining im Kickboxen, das erstaunlicherweise eher bei Mädchen beliebt ist. „Die Jungs geben meist schnell auf, weil es so anstrengend ist“, winkt Bilge lässig ab.

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