„Wir fühlen uns als Braunschweiger“ | Neue Braunschweiger
8. April 2020
Sport

„Wir fühlen uns als Braunschweiger“

Ex-Eintracht-Kapitän Ken Reichel nimmt Training bei Bundesligist Union Berlin wieder auf – Sportliche Zukunft offen

Ken Reichel kann sich eine Rückkehr nach Braunschweig sehr gut vorstellen. Archivfoto: Susanne Hübner

Braunschweig. Wie alle anderen Profifußballer ist auch Ken Reichel durch die Corona-Krise zum Zuschauen verurteilt. Seit Wochenbeginn bekommt der Ex-Löwe seine Teamkollegen von Union Berlin aber zumindest teilweise wieder zu Gesicht. Wie die meisten Erst- und Zweitligaclubs haben auch die „Eisernen“ das Training in Kleingruppen wieder aufgenommen.

„Es ging mit Gesundheitstest und kleinen Laufeinheiten los. Die Vorgaben vom Gesundheitsamt bezüglich der Durchführung sind aber sehr streng, um keine unnötigen Risiken entstehen zu lassen“, berichtet der ehemalige Eintracht-Kapitän. Nie dürfen sich mehr als fünf Spieler in einem Raum aufhalten, auch die eineinhalbstündigen Einheiten finden über den Tag verteilt in Fünfergruppen statt. Da der Kader der Köpenicker mehr als 30 Akteure umfasst, ist das Trainerteam fast den ganzen Tag eingespannt.

Zuvor hat der 33-Jährige die gemeinsame Zeit mit Frau Sina und seinen beiden kleinen Söhnen verbracht: „Meine Familie hat sich natürlich gefreut, dass ich längere Zeit zu Hause war, was sonst nur in Sommer- oder Winterpause der Fall ist.“ Kontakt zu seinen ebenfalls in Berlin lebenden Eltern war und wird vorerst nur über das Telefon möglich sein, das gilt auch für die Zeit nach Ostern.

Im Mai soll dann jedoch wieder der Ball in der Bundesliga rollen: „Ich bin gespannt wie alle Mannschaften aus dieser vollkommen unerwarteten Pause kommen werden.“ Der Aufsteiger aus Köpenick hat sich bislang sehr gut aus der Affäre gezogen und nach 25 Spieltagen bereits 30 Punkte auf dem Konto; acht Zähler beträgt der aktuelle Vorsprung auf die Abstiegszone. „Wir haben eine tolle Ausgangsposition herausgeholt, die wir versuchen wollen zu halten“, so der letztjährige Stammspieler, der seinen Posten auf der linken Außenbahn in dieser Spielzeit jedoch an Christopher Lenz verloren hat: „Den Grund wissen nur Verein und Trainer, ich muss es akzeptieren, auch wenn ich mich topfit fühle und noch zwei Jahre spielen möchte.“

Offen ist allerdings wo, da sein am Saisonende auslaufender Vertrag die Zukunftsplanung für ihn und seine Familie nicht einfacher macht. Schmunzeln muss er über die Wechselgerüchte vom letzten Winter, als seine Rückkehr zu den Löwen vermeldet wurde. „Ich bekam viele SMS von Freunden und Bekannten die sich beschwerten, warum ich meinen ‘Wechsel’ ihnen gegenüber nicht erwähnt habe“, berichtet Reichel, der sich mit seiner Familie jedoch öfter in Braunschweig aufhält, da auch seine Frau aus der Löwenstadt stammt. Mit ihr zusammen besitzt er nahe Braunschweigs auch ein Haus, sodass die Rückkehr in die Region nach dem Ende seiner aktiven Karriere längst beschlossene Sache ist: „Wir fühlen uns eher als Braunschweiger, weil uns Berlin insgesamt doch etwas zu groß ist.“ Ob er vorher doch noch einmal im Eintracht-Trikot auflaufen wird, ist zumindest aus seiner Sicht nicht ausgeschlossen: „Auch wenn ich mir das Ganze sehr gut vorstellen könnte, liegt es nicht in meiner Hand.“ Guten Kontakt hält er nach wie vor zu ehemaligen Weggefährten wie Marc Pfitzner oder Benny Kessel: „Wenn man elf Jahre für Eintracht gespielt hat, verfolgt man natürlich auch das Geschehen im Verein.“

Nicht entgangen ist ihm dabei, dass seine angestammte Position auf der linken Abwehrseite durch den jüngeren „Dauerbrenner“ Niko Kijewski vergeben scheint. Doch auch diese Tatsache würde aus Sicht des torgefährlichen Defensivspezialisten nicht zwingend gegen ein Comeback in blau-gelb sprechen: „Schließlich habe ich auch schon auf der Innenverteidigerposition für Eintracht gespielt.“

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