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„Wir hätten mehr Punkte holen können“

Fußball: André Schubert, Cheftrainer des strauchelnden Drittligisten Eintracht Braunschweig, im Gespräch mit der Neuen Braunschweiger

André Schubert beim Eintracht-Training. Der Fußball-Lehrer bescheinigt seinem Team durchaus Potenzial. Foto: Hühner

Vor sechs Wochen trat André Schubert die Nachfolge des glücklosen Henrik Pedersen als Eintracht-Trainer an. Zwar präsentiert sich die Mannschaft seitdem spielerisch verbessert, konnte nach unglücklichen Spielverläufen und mehreren individuellen Patzern aber erst einen Zähler sammeln. Im Gespräch mit NB-Mitarbeiter Elmar von Cramon zieht der 47-Jährige eine erste Zwischenbilanz.

 

Herr Schubert, wie hat sich Ihre Mannschaft in den vergangenen Wochen entwickelt und was waren die wichtigsten Stellschrauben, an denen Sie seit Ihrer Amtsübernahme im Oktober gedreht haben?
Die Leistung und vor allem das Defensivverhalten sind gerade in den letzten drei Begegnungen deutlich stabiler geworden. Wir haben deutlich mehr und auch qualitativ bessere Chancen herausgespielt als die Gegner und zudem wenige Chancen zugelassen. Dafür haben wir uns leider noch nicht belohnt. Daneben gab es jedoch einige Faktoren, die für mich von außen zuvor nicht zu erkennen gewesen sind. Dazu gehört, wie eine Mannschaft aufgestellt ist, welche dynamischen Prozesse im Team stattfinden und wie Mannschaft und Umfeld aufeinander reagieren. Ich habe Woche für Woche eine größere Sensibilität für diese Dinge entwickelt und versuche, die Situation nach und nach zu verbessern. Es ist durchaus so, dass wir in der Mannschaft ein gewisses Potenzial haben, es aber Gründe gibt, warum der eine oder andere Spieler sein persönliches Potenzial noch nicht wie gewünscht abrufen konnte.

Inwiefern hängt das mit der Kaderzusammenstellung zusammen?
Aus der Erfahrung weiß ich, dass Spieler nicht immer die Leistung abliefern, die ihrem Potenzial entspricht, und eine weitere Problematik ist, dass die Mannschaft extrem jung ist. Grundsätzlich stehen alle Drittligateams unter einem gewissen Druck. Das ist bei uns nicht anders, allerdings haben wir die jüngste Mannschaft der Liga und mit der Erwartungshaltung, oben mitzuspielen, kommt nicht jeder Spieler zurecht. Die eine Sache ist, Potenzial zu haben, die andere ist, diese im Rahmen einer Mannschaftsleistung auf dem Platz abzurufen, insbesondere in Stresssituationen.

Wird es im Winter personelle Veränderungen in der Mannschaft geben?
Leichte Änderungen sind durchaus möglich. Es kann immer passieren, dass sich jemand verändern will oder es Anfragen für den einen oder anderen Spieler gibt. Auf der anderen Seite schauen auch wir uns die aktuelle Entwicklung an, um zu sehen, welche Spieler den Weg mit uns gehen können und wollen und wo gezielte Verstärkungen oder Veränderungen vielleicht Sinn machen würden.
Ist es aus Ihrer Sicht ein Nachteil, die Position des Sportlichen Leiters aktuell unbesetzt zu lassen?
Solche Situation habe ich des Öfteren erlebt. Aktuell und für die Winterpause ist das kein Problem. Wir sind auch so voll handlungsfähig. Es gibt eine Kaderplanung und eine Scouting-Abteilung, die immer auf der Suche nach Verstärkungen ist. Dauerhaft ist dies aber wichtig und wertvoll, weil es neben Dingen wie der Kaderplanung auch um die Spielphilosophie eines Vereins und deren Entwicklung geht. So etwas würde man mit einem Sportlichen Leiter abstimmen, der außerdem ja auch Aufgaben im Umfeld eines Vereins wahrnimmt. Diese Personalie muss allerdings ins Profil passen, deshalb versucht der Verein, nichts übers Knie zu brechen.

Die Stimmung der Fans ist aktuell auf dem Tiefpunkt, was nicht nur der aktuellen Situation, sondern auch der Gesamtentwicklung in den vergangenen eineinhalb Jahren geschuldet ist. Wie gehen Sie damit um?
Wir können unsere Arbeit nicht davon abhängig machen, ob die Fans pfeifen oder nicht, sondern müssen damit umzugehen lernen. Die wenigen älteren Spieler können den jüngeren Spielern dabei genauso helfen wie ich. Man muss sich mit Kritik auseinandersetzen. Wir genießen alle gerne die Sonnenseite und die guten Tage, aber du musst dich auch den stürmischen Tagen und den schwierigen Situationen stellen. Dass bei den Fans, die seit 20 oder 40 Jahren zur Eintracht gehen, ein hohes Maß an Emotionalität vorhanden ist, aktuell vor allem aus Sorge und Angst um den Verein, ist verständlich. Das darf sich allerdings nicht so zeigen wie von einigen wenigen nach dem Spiel gegen Uerdingen. Die Mannschaft hat es in den letzten Spielen geschafft, nach Gegentoren stabil zu bleiben. Ich würde mir wünschen, dass das auch dem Großteil der Anhänger gelingt, anstatt bereits nach einem Rückpass zu pfeifen.

Worauf wird es in den fünf noch verbleibenden Begegnungen bis zur Winterpause ankommen?
Schaut man sich die letzten drei Spiele an, hätten wir deutlich mehr Punkte holen können und müssen. Wir haben uns eine Vielzahl von Torchancen erarbeitet, was auch weiterhin der Fall sein soll. Allerdings wollen wir die Effektivität erhöhen. Außerdem haben wir von Spiel zu Spiel weniger gegnerische Möglichkeiten zugelassen, auch wenn immer noch vermeidbare Gegentore gefallen sind. Sowas analysieren wir dann und versuchen, die Verhaltensweisen dahinter Stück für Stück abzustellen, auch wenn das nicht von heute auf morgen geht. Letztlich müssen wir das Verhältnis eigener Chancen zu denen des Gegners so gestalten, dass wir endlich anfangen zu punkten und am Ende der Saison über dem Strich stehen.

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