28. Dezember 2020
Sport

„Wir müssen das Defensivverhalten verbessern“

Eintracht-Geschäftsführer Sport Peter Vollmann spricht im NB-Interview über die bisherige Saison

Geschäftsführer Sport Peter Vollmann.

Braunschweig. Eine wechselhafte erste Saisonhälfte liegt hinter den Löwen. Nach dem DFB-Pokalcoup gegen Berlin (bei Druck dieser Ausgabe war die zweite Runde gegen Dortmund noch nicht gespielt) musste das Team in der Liga einiges Lehrgeld entrichten, beeindruckte jedoch auch häufig durch große Moral. Peter Vollmann blickt auf die ersten Monate zurück.

 

Herr Vollmann, ein ereignisreicher erster Saisonabschnitt liegt hinter der Eintracht, wie haben Sie die Runde erlebt?

Sehr unterschiedlich. Wenn man es in Schulnoten wiedergeben würde, dann war wohl jede Note irgendwann einmal dabei. Wir haben mögliche Notenverschiebungen nicht nur von Spiel zu Spiel kennen gelernt, sondern auch im Verlauf eines Spieles. Es gibt immer Aspekte, die die Ligen voneinander unterscheiden. Diese haben wir bisher auf allen Ebenen kennen gelernt. Wir hatten uns bis Weihnachten ein Punkteziel gesetzt, das haben wir knapp verfehlt. Wenn wir am Ende der Saison über dem Strich stehen, sind wir zufrieden und haben unser Ziel erreicht. Aktuell haben wir Luft nach oben.

Vor der Saison wurde vielfach der Angriff als Achillesferse erwartet, mittlerweile ist es jedoch die Defensive. Wie sehen Sie die vielen Gegentreffer, insbesondere in der Anfangsphase?

Ich sehe uns nach vorne auch nicht sorgenfrei, aber die Anzahl Gegentore belasten unsere Situation aktuell deutlich mehr. Wenn wir die Gegentore immer am Ende bekommen würden, dann wäre Ihre Frage die gleiche nur auf ein anderes Zeitfenster formuliert, was die grundlegende Problematik nicht verändern würde. Zielführend wird nur sein, wenn wir dahin kommen, unser gesamtes Defensivverhalten so auszurichten, dass wir konstant über 90 Minuten so sicher wie eben möglich verteidigen und spielentscheidende Fehler auf ein Minimum reduzieren können.

Positiv sind die Comeback-Qualitäten der Mannschaft, die elf der zwölf Punkte nach Rückständen erkämpft hat. Kann diese Mentalität im Abstiegskampf das Zünglein an der Waage sein?

Das Zünglein an der Waage ist Konstanz und alles, was damit zusammenhängt. Ohne Mentalität werden wir die Klasse garantiert nicht halten. Jeder Matchplan bei uns muss mit maximal hoher Bereitschaft, extrem guten Laufleistungen und guten Verteidigungswerten von jedem einzelnen Spieler beginnen und enden. Wenn wir das konsequent umsetzen können, wird unsere Mannschaft mit ihren fußballerischen Qualitäten mehr erreichen wird, als das bisher der Fall war. Dieser Aufgabe muss sich jeder einzelne in jeder Trainingseinheit und in jedem Spiel mit maximaler Leidenschaft stellen. Persönliche Eitelkeiten gilt es hinten an zu stellen.

Wie haben Sie die Neuzugänge gesehen?

Das muss man sicherlich differenziert und auch im Zusammenhang mit der Gesamtsituation betrachten. Zu einer Mannschaft gehören alle Spieler mit all ihren Stärken und Schwächen. Hinzu kommen natürlich Entwicklungen, die man nicht voraussehen kann, wie bespielweise Verletzungen und lange Ausfallzeiten. Schwere Verletzungen sind immer ein unkalkulierbares Risiko, darauf muss man entsprechend reagieren. Auch Pläne können sich dadurch verändern, wie das zum Beispiel bei Jannis Nikolaou der Fall ist. Als defensiver Mittelfeldspieler war er fest eingeplant, aber aufgrund der Umstände spielt er aktuell auf der Position des Innenverteidigers. Das sollte in der Rückrunde nur noch in Notsituationen der Fall sein. Wir brauchen ihn und seine Qualitäten im Mittelfeld. Wir dürfen erwarten, dass die gestandenen Spieler, die schon in der 2. Bundesliga gespielt haben, noch mehr einbringen, als sie das bisher getan haben. Ab und zu eine gute Leistung zu zeigen, reicht nicht. Diese Botschaft geht aber an alle, die Ambitionen auf die Startelf anmelden. Zum Abschluss noch einen Satz zu unseren Perspektivspielern: Die Entwicklungen sind durchweg positiv zu bewerten, bis auf ganz wenige Ausnahmen.

Gibt es einen Spieler, der Sie besonders beeindruckt hat?

Wir leben von unserer Geschlossenheit. Es macht es für mich keinen Sinn, einzelne Spieler öffentlich positiv oder negativ hervorzuheben. Geschlossenheit fängt genau da an und wenn ich den Eindruck habe, jemanden loben zu müssen, dann mache ich das immer persönlich.

Auf welchen Positionen will sich der Verein verstärken und wie viele Neuzugänge nehmen Sie insgesamt ins Visier?

Wir müssen das Defensivverhalten verbessern und die Anzahl der Gegentore verringern. Das gehört zum Aufgabenbereich unseres Trainers. Alle Verantwortlichen teilen die Einschätzung, dass wir dafür auf dem Transfermarkt noch einmal nachlegen müssen. Das können wir nicht unbegrenzt machen, aber die Rahmenbedingungen dafür sind geschaffen worden.

Wie viele Spieler sollen noch abgegeben werden?

Das werden die Gespräche ergeben. Als Spieler muss man seine Einsatzzeiten und seine sportliche Zukunft im Markt solide einschätzen und entscheiden, ob andere Lösungen in Frage kommen oder eben nicht. Im Fußball macht es heute keinen großen Unterschied mehr, ob ein Vertrag noch läuft oder ausläuft, nur die Entscheider verändern sich. Wir stehen grundsätzlich in der Pflicht, die geschlossenen Verträge einzuhalten.

Welche Herausforderungen bringt die noch immer andauernde Corona-Krise in Bezug auf den  Transfermarkt mit sich, welche auf die Gesamtsituation?

Aktuell sind wir sehr dankbar für jede Unterstützung, die dazu beiträgt, uns zu entlasten. Durch den Aufstieg in die 2. Bundesliga hat sich die Situation im Vergleich zur 3. Liga durch die höheren Fernsehgelder verbessert. Bei vielen Profiteuren, die in diesem Fußballkosmos leben, ist die Corona-Krise noch nicht angekommen. Bei denen, die sie bezahlen müssen, ist sie existent seitdem es sie gibt. Es ist auch nicht wirklich abzusehen, wie lange es dauern wird, Verlorenes aufzuholen und in welche Richtung sich das gesamte Konstrukt Fußball in Zukunft entwickeln wird.

Was erwarten Sie in der Restserie, die ohne Winterpause und mit einem straffen Programm kurz nach dem Jahreswechsel fortgesetzt wird, von der Mannschaft?

Dass sie alles investiert und am Ende den Klassenerhalt schafft!

Eintracht ist wie in der Vorsaison gezwungen zweigleisig zu planen. Was bedeutet das für den Verein und Bereiche wie Nachwuchsförderung und Scouting, die zuletzt zurückgefahren werden mussten?

Das lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht seriös beantworten, da keiner weiß, wie lange uns die Corona-Pandemie und ihre Folgen noch begleiten werden. Fakt ist, dass wir im zweiten Jahr in der 2. Bundesliga Strukturen verändern und neu aufbauen. Aufgrund der Situation ist das leider aktuell nicht möglich.

 

 

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