24. März 2015
Politisches

Wohnen zu teuer?

Wohnen in Braunschweig – das Thema ist ein Dauerbrenner.

Begehrt: Östliches Ringgebiet, hier Roonstraße/Ecke Waterloostraße. Foto: Ammerpohl

Von Ingeborg Obi-Preuß, 25.03.2015.

Braunschweig. Der Markt ist nach wie vor angespannt. Eigentum gibt es fast gar nicht mehr. Um satte 11,9 Prozent sind die Wohnungspreise in 2014 gestiegen.

Bei den Mieten gibt es ebenfalls Preissteigerungen in nahezu allen Lagen. Experten befürchten eine noch stärkere Wohnraumverknappung durch die vom Bundestag beschlossene Mietpreisbremse.

„Die Mietpreisbindung ist das beste Verfahren zur Zerstörung einer Stadt neben der Bombardierung“, zitiert ein Braunschweiger Makler den schwedischen Ökonomen Assar Lindbeck. Der Makler, der nicht genannt sein möchte („dann bin ich wieder der böse Kapitalist“), befürchtet, dass eine Mietpreisbindung Neubauten verhindern und Investoren abschrecken würde. Und damit den Markt noch weiter verknappen könnte. „Eine Angebotslücke kann nicht mit staatlichen Regularien gefüllt werden“, sagt er.

Sozial- und Bauministerin Cornelia Rundt dagegen hat die Entscheidung aus Berlin begrüßt, in ihrem Ministerium werden jetzt Fakten und Daten zusammengetragen, ein entsprechender Kabinettsbeschluss für eine Mietpreisbremse in Braunschweig könnte Anfang 2016 vorliegen, erklärt Pressesprecher Uwe Hildebrandt.
Auch für den vielfach gelobten Mietspiegel findet der Makler kritische Worte: „Der Mietspiegel ist gut, weil er für Fairness und Transparenz sorgt, aber er ist schlecht, weil er den freien Markt behindert und damit potenzielle Investoren vom Wohnungsbau abhält.“

Der Mietspiegel wird erstellt von der Verwaltung und einigen Interessenvertretungen (siehe Kasten). „Diese Gruppen vertreten bestimmte Interessen“, sagt der Makler. Zwar sei das grundsätzliche Ziel – das Mietpreisgefüge transparent zu halten und extreme Mieterhöhungen zu verhindern – lobenswert, aber mitunter würde eher das Gegenteil passieren. Die einzelnen Kategorien im Mietspiegel würden dazu führen, dass beispielsweise der Mietpreis pro Quadratmeter für eine Wohnung in der Weststadt höher liege als für eine Wohnung der Wilhelm-Bode-Straße. „Für die Weststadt haben Sie aber fünf Interessenten, für die Wilhelm-Bode-Straße locker 40“, sagt der Makler. Der tatsächliche Markt würde nicht abgebildet.
Das liege im konkreten Beispiel daran, dass beispielsweise „Grünbestand im Umkreis von 50 Metern“ , oder „maximal 50 Meter Abstand zu einer Haltestelle“ als Aufwertung gelten. „In diesem Fall beides Punkte für die Weststadt“, erklärt der Makler. Das bedeute in der Konsequenz, dass die Wohnung in der „Wibo“ nur acht Euro pro Quadratmeter in der Miete kosten darf, aber locker für 2000 bis 3000 Euro pro Quadratmeter verkauft werden kann.

Auf Braunschweig bezogen führe die Reglementierung dazu, dass mit Mietwohnungen kein Geld zu verdienen sei. Das bedeute, Mietwohnungen werden – so wie es geht – in Eigentumswohnungen umgewandelt und teuer verkauft. Und – „es werden kaum neue Mietwohnungen gebaut, private Investoren ziehen sich zurück, das Kapital flüchtet aus dem Mietwohnungsmarkt.“

Beim „freien Spiel der Kräfte“, würde in einer „Boomtown“ wie Braunschweig viel, viel mehr gebaut werden. „Innerhalb von fünf bis zehn Jahren hätten wir gesunde Konkurrenz und genug Wohnungen zu vernünftigen Preisen“, ist der Makler sicher.

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