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„Wohnungen sind hart umkämpft“

Semesterbeginn: Studentenwerk Ost-Niedersachsen stellte Senioren-Studenten-WGs vor

Austausch beim ersten Stammtisch von „Wohnen für Hilfe plus" (v. l.): Hind Wakil, Vivien Ohlmer, Mouad Akhiat, Petra Karls (Ambet) und Gesa Fleschenberg. Foto: Asta

Nordstadt. Wohngemeinschaften von Studenten? Total normal. (Noch) nicht normal sind dagegen WGs, in denen Senioren und Studierende zusammenleben. Die Macher des Projekts „Wohnen für Hilfe plus“ haben deshalb zum ersten Mal einen Stammtisch veranstaltet, bei der das Konzept vorgestellt und erste Erfahrungen ausgetauscht wurden. Die Berichte machen Mut.

Rund zehn Gäste haben sich bei Kaffee und Kuchen in der Mensa 1 der TU versammelt. Trotz des herrschenden Wohnungsdrucks läuft das Anfang 2018 initiierte Projekt noch etwas schleppend.
Projektleiterin Claudia Fischer vom Studentenwerk Ost-Niedersachsen nutzte deshalb jede Gelegenheit, für die Idee, die gemeinsam mit dem Seniorenbüro der Stadt Braunschweig und dem Verein Ambet durchgeführt wird, zu werben.
„Im Moment haben wir viele Anfragen von Studenten, aber nur wenige von Senioren“, ordnet sie ein.

Gemeinsam statt alleine

Was ist das Konzept von „Wohnen für Hilfe plus“? Claudia Fischer erläutert: „Die Senioren haben leere, ungenutzte Zimmer und brauchen Hilfe im Alltag. Gleichzeitig sind die Studenten auf der Suche nach bezahlbarem Wohnraum. Wir vermitteln mit der Förderung des Landes Niedersachsen Wohnpartnerschaften zwischen Jung und Alt unter dem Motto ‘Gemeinsam statt alleine’.“
Das hätte nur Vorteile. „Den Studenten“, so Fischer, „wird ein kostengünstiges Zimmer geboten und die Senioren haben Hilfe im Haus – egal, ob beim Einkaufen, im Haushalt oder Garten, beim Zeitung lesen oder Briefe schreiben.“
Pflegerische Tätigkeiten, fährt sie for, seien ausdrücklich ausgeschlossen und: pro Stunde Hilfe im Haushalt bekommen die Studierenden die Miete für einen Quadratmeter Wohnfläche erlassen.
Einige in der Runde haben den Schritt schon gewagt und sind begeistert. „Ich habe vorher alleine gewohnt und fand das Gefühl unangenehm. Außerdem war der Wohnraum ungenutzt“, erzählt eine Seniorin, die ungenannt bleiben möchte. Inzwischen vermietet sie seit einem Jahr die obere Etage des Hauses an eine Studentin mit Kind.

18 Wohnpaare

Insgesamt konnten in Braunschweig schon 18 Wohnpaare erfolgreich vermittelt werden, ähnliche Projekte gibt es bereits in 34 anderen Städten in Deutschland. Wie es funktioniert? Einfach einen Fragebogen ausfüllen, die Vermittlerin kennen lernen und danach den möglichen Vermieter, dann steht dem Einzug nichts mehr im Wege. Claudia Fischer konnte schon innerhalb eines Tages eine Senioren-Studenten-WG vermittelt.
Auch die Wohnpartnerschaft zwischen Gisa Fleschenberg und Mouad Akhiat ist auf diese Weise entstanden. Seit Mitte März lebt der Elektrotechnikstudent aus Marokko im Haus der Familie Fleschenberg und ist froh über die Chance.
„Seit November war ich auf Wohnungssuche in Braunschweig. Es ist alles hart umkämpft und ich bekam viele Absagen. Im Internet bin ich dann auf das Projekt gestoßen und nach mehreren Gesprächen und Wohnregelungen konnte der Mietvertrag unterschrieben werden“ freut sich Mouad Akhiat. Und Gisa Fleschenberg ist an Untermieter gewöhnt: „Wir vermieten schon seit 40 Jahren freie Zimmer in unserem Haus, und als ich in der Zeitung von der Idee las, wusste ich sofort, dass sie eine gute Sache ist“, erklärt sie. Infos zum Projekt gibt es im Internet unter der Adresse www.stw-on.de/braunschweig/wohnen/wohnen-fuer-hilfe-plus.

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