Zähes Ringen um jeden Stein

Was wiegt schwerer? Impuls für die Innenstadt oder Erhalt der alten Bausubstanz?

Der obersten Denkmalbehörde fehlen bislang hinreichende Gründe, um den Eingriff in die alte Bausubstanz zu rechtfertigen. Investor Development Partner will an den jetzigen Plänen festhalten – oder das Projekt zu den Akten legen. Grafik: Development Partner

Innenstadt. Die Uhr läuft: Gestern hatten fast 3300 Menschen die Online-Petition zum Erhalt der denkmalgeschützten Häuser in der Burgpassage unterschrieben. Auch das Glasdach möchten die Initiatoren vor dem Abriss schützen. Auf der anderen Seite steht der AAI. In einem Appell fordern die Kaufleute in der Innenstadt „eine schnelle Entscheidung für eine Genehmigung des Vorhabens zum Wohle der Innenstadt“. Zwischen der Stadt, die den Umbau der Passage gerne genehmigen würde, und der Obersten Denkmalschutzbehörde konnte ebenfalls noch keine Einigkeit erzielt werden.

Ganz oder gar nicht

Stadt, Wirtschaftsförderung und nicht zuletzt die Kaufleute in der Innenstadt haben Bedenken, dass Investor Development Partner die Brocken hinwirft. Bis zu dem jetzigen Entwurf war es ein langer Weg, der 2016 mit einem zweistufigen Wettbewerbsverfahren begonnen hatte. Dem neuen Eigentümer geht mittlerweile die Geduld aus. Gegenüber der Stadt sei konkret geäußert worden, dass das Unternehmen „den Entwurf in der vorliegenden Form oder gar nicht“ umsetzen wird.
Oberbürgermeister Ulrich Markurth hat sich unterdessen klar für das Projekt ausgesprochen, sieht darin eine „Schlüsselinvestition“ für die Innenstadt. Die Forderung, den Denkmalschutz zu berücksichtigen, sieht die Verwaltung mit der behutsam überarbeiteten Variante des Siegerentwurfes des Architektenbüros Welp von Klitzung erfüllt.

Knackpunkt Hutfiltern

Streitpunkt zwischen Stadt und Denkmalbehörde ist nicht der vorgesehene Abriss des Hauses Schuhstraße 6, das nur noch Reste der Fassade von einst aufweist, sondern die zweigeschossige Öffnung der Häuser am Hutfiltern. Die Stadt kündigte an, dem Ministerium für Wissenschaft und Kultur als Oberster Denkmalschutzbehörde weitere Unterlagen zusenden zu wollen, um es doch noch von dem jetzt vorliegenden Entwurf überzeugen zu können. Während CDU und BiBS auf die vorrangige Bedeutung des Denkmalschutzes verwiesen hatten, sprachen die Grünen gestern von einem „vertretbaren Kompromiss“. Es sei von vornherein deutlich gewesen, dass es ohne einen Eingriff in die vorhandene Bausubstanz kein attraktives Entree geben könnte. Es sei unverständlich, warum die CDU jetzt auf der Zielgeraden fordert, dass der Denkmalschutz Priorität haben müsse, statt ihre Bedenken gleich anfangs zu äußern.

Viel schon zerstört

Von der ursprünglichen Bebauung ist ohnehin nicht mehr viel übrig, nachdem das Ägidienstift und die Magdalenenkapelle abgerissen und anschließend in den 1980er Jahren der Durchbruch für die heutige Burgpassage entstand. Markurth regte an, die aktuelle Diskussion dazu zu nutzen, generell über den Rückbau von Bausünden in der Stadt nachzudenken.
Wirtschaftsdezernent Gerold Leppa warnte vor den Folgen, sollte es mit der „Burggasse“ und der damit verbundenen Investition von 90 Millionen Euro nichts werden. Die bisherige Stadtentwicklung sei kein Automatismus, sagte er. Woanders bestimmen schon Leerstände das Bild.

Einigkeit besteht derzeit nur in einem Punkt: So wie bisher konnte es mit der Burgpassage nicht weitergehen. Die Bürgerinitiative mahnt allerdings, dass mit der wenigen noch erhaltenen Architektur in diesem Bereich behutsamer umgegangen werden sollte. Und selbst das Glasdach als Relikt der 1980er Jahre sei erhaltenswert. Sollte die Denkmalschutzbehörde zu einer anderer Ansicht gelangen und der Umgestaltung zustimmen, so wäre es an der Stadt, die Baugenehmigung zu erteilen – Development Partner hat allerdings noch nicht alle Unterlagen eingereicht …

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