30. April 2021
Buntes

Zeit, Kamm und Schere abzugeben

Petra Striegler übergibt nach 51 Arbeitsjahren ihren Salon an die jüngere Generation

Petra Striegler (li.) und ihre Nachfolgerin Stefanie Finster. Sie wird ab Mai den Friseursalon in der Güldenstraße leiten. Foto: Bildermacher Aisha Lüer

Innenstadt. Ende April hat sie die alte Registrierkasse für immer eingepackt. „Da kommt ein ganz modernes Kassensystem hin“, sagt Petra Striegler. In ihrer Stimme schwingt Wehmut mit.

20 Jahre lang gehörte ihr der Salon „Petra’s Haarstudio“ in der Güldenstraße, Friseurin ist sie schon mehr als ihr halbes Leben lang. Jetzt, nach 51 Arbeitsjahren „im Dienst an den Haaren“, soll Schluss sein. Genug geschnitten, genug geföhnt, genug gefärbt. „Es ist Zeit, Kamm und Schere an die jüngere Generation zu übergeben.“

Die Chemie stimmte

Mit Rat und Tat zur Seite („wenigstens für den Anfang“) wird sie dann Stefanie Finster stehen, die das Geschäft unter dem Namen „HaarStudio51“ weiterführen wird. Kurz vor Weihnachten erfuhr die 39-Jährige, dass sich Petra Striegler zurückziehen will. „Da bin ich einfach vorbeigegangen und habe mich vorgestellt“, erzählt die ausgebildete Friseurmeisterin, die zuvor viele Jahre im Zweithaarbereich gearbeitet hatte. Schnell stellte sich heraus: Die Chemie stimmte. Und der Hintergrund auch. Denn neben dem ganz normalen Friseurgeschäft bot Petra Striegler seit 2011 auch immer einen besonderen Service für Chemopatienten und allgemein für Kunden mit Haarproblemen an.
„Krebspatienten zu Zweithaar oder einer Haarverdichtung zu beraten – das erfordert eine besondere Ausbildung, viel Erfahrung und Einfühlungsvermögen“, sagt Striegler. „Die Perücke soll schließlich perfekt zum Typ passen und nicht aussehen wie eine Mütze!“

Die alte Registrierkasse hat ausgedient. An ihre Stelle kommt jetzt ein modernes Kassensystem. Foto: Birgit Wiefel

Viele neue Ideen

Dieses Fingerspitzengefühl bringt Stefanie Finster mit. Sie kennt die Bedürfnisse dieser sehr besonderen Kunden und freut sich besonders über deren Dankbarkeit. Der etwas zurückgezogen, separate Bereich für Krebspatienten im Salon wird also bleiben, auch wenn Stefanie Finster sonst viele neue Ideen hat. „Das Mobiliar wird moderner, der Boden ausgetauscht und die Wände neu gestrichen“, plant sie eifrig. Unterstützt wird sie dabei von Familien und Freunden, die ihr auch sonst moralisch den Rücken stärken. „Das ist schon ein großer Schritt – vor allem in dieser Zeit“, erzählt sie mit Blick auf die Pandemie und von Minuten, in denen sie doch ein bisschen nervös wird.
Ganz alleine wird sie den Laden nicht „schmeißen“. Mit Masterstylist Martin Multhoff hat sie einen absoluten Experte in Sachen Coloration ins Boot geholt. „Man muss die Trends immer im Blick haben“, ist sie überzeugt.

In einem abgetrennten Bereich werden auch in Zukunft Chemopatienten betreut werden.  Foto: Birgit Wiefel

Verrückte Trends

Wie sehr das Friseurhandwerk Moden unterworfen ist – davon kann Petra Striegler, die nach der Mittleren Reife ihre Ausbildung begann, ein Lied singen. „Das, was der Friseur früher gelernt hat, macht er heute nebenbei“, sagt sie. Bartrasur, Dauerwellen, Föhnfrisuren, Strähnchen und Balayage – Striegler hat alles erlebt. Auch die Fortschritte. „Manche Technik ist deutlich besser geworden: Früher sahen Strähnchen aus wie Eisenbahnschienen, heute lassen sie sich viel feiner herstellen. Auch die Flüssigkeiten sind für die Friseure besser verträglich als früher.“

Wird sie ihre Kunden vermissen? Striegler lacht. „Bestimmt. Vor allem die Stammkunden. Manche kenne ich schon jahrelang. Als Friseur ist man Familienmitglied und manchmal auch Kummerkasten. Ich kann gar nicht zählen, wie viele Autos ich mit vor der Tür anschauen musste, als ich noch im Herrensalon gearbeitet habe.“ Sie möchte sich deshalb ganz besonders bei ihren Kunden für ihre Treue bedanken. In Zukunft werden Haus und Garten im Mittelpunkt stehen. Und Golden Retriever Charly über den Rasen und nicht mehr durch den Salon toben.

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