Zeitreise: Als die Grenze fiel

November 1989: Das Zonenrandgebiet rückt in den Mittelpunkt der Geschichte

Ein unfassbarer Augenblick: Einreisende DDR-Bürger werden am Grenzübergang Helmstedt/Marienborn begrüßt. Foto: Heike Specht/Bundesregierung

Braunschweig. Das Unerwartete geschah: Massenflucht und Straßenproteste erzwangen im Herbst 1989 die Öffnung der innerdeutschen Grenze und der Berliner Mauer.

Am 9. November erwirkte die Magdeburgerin Dr. Annemarie Reffert am DDR-Grenzübergang Marienborn bereits um 21.27 Uhr ihre Ausreise nach Helmstedt. Kurz darauf öffnete sich der Berliner Grenzübergang in der Bornholmer Straße. In der Nacht und den Folgetagen feierten tausende Menschen aus Ost und West dieses „wahnsinnige“ Ereignis und jeder erlebte seine persönliche Grenzöffnung: im geteilten Doppeldorf Zicherie-Böckwitz am 18. November, auf dem Brocken erst am 3. Dezember. Wildfremde Menschen umarmten sich, klopften sich auf die Schultern oder auf die Dächer der vorbeirollenden Trabis. In Braunschweig drängten sich die Menschen und im Rückblick mutet es seltsam an, wie sie zur Begrüßung mit Bananen beschenkt wurden. Eine hilflose Geste, aber herzlich gemeint.

Der Große Sitzungssaal im Rathaus wird zur Amtsstube umfunktioniert, wo die DDR-Bürger ihr Begrüßungsgeld ausbezahlt bekommen. Das Bild entstand am 13. November 1989. Foto: Stadtarchiv

Zum 30. Jahrestag der innerdeutschen Grenzöffnung erinnern wir uns an dieses Wechselbad der Gefühle. Die Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn feiert ihn am 9. November mit dem „Festival Grenzenlos“ und einem Programm mit öffentliche Rundgängen, Mitmachaktionen, Führungen und mehr. Um 19 Uhr beginnt im Festzelt ein Bühnenprogramm mit Filmanimation, Zeitzeugnissen und Performance.

Um 20 Uhr gibt Wolfgang Niedecken mit dem Bundesjazzorchester ein kostenfreies Konzert. Zwischen dem Bahnhof Helmstedt und der Gedenkstätte Marienborn wird von 10 bis 23 Uhr ein kostenloser Bus-Shuttle angeboten. Infos unter: www.erinnern.org/marienborn

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