Zeugen für Raum und Zeitverflug | Neue Braunschweiger
30. Januar 2015
Kulturelles

Zeugen für Raum und Zeitverflug

Erster Teil der Mitgliederausstellung „Das regionale Gedächtnis“ im Photomuseum zu sehen.

Timo Hoheisel: „Mitarbeiterschleuse“, aus der Serie „Asse II“ (2013).

Von André Pause, 30.01.2015.

Braunschweig. Der erste Teil der diesjährigen Mitgliederausstellung des Museums für Photographie unter dem Titel „Das regionale Gedächtnis“ ist bis zum 22. Februar in den Torhäusern an der Helmstedter Straße zu sehen.

Insgesamt siebzehn Fotografen haben sich dem Oberthema gewidmet. Gliedern lassen sich die Sujets der Teilnehmer in die Bereiche Architektur/Stadt, Kultur und Landschaft/Umwelt. Innerhalb eines halben Jahres hat es drei gemeinsame Workshops gegeben. „Wir haben dabei die Inspiration geliefert, für den Austausch unter Experten gesorgt“, erzählt die Leiterin des Museums, Gisela Parak. Ausgangspunkt der Schau ist der durch die Firmensitze und Produktionsstätten der Unternehmen Rollei und Voigtländer manifestierte Ruf Braunschweigs als Fotostadt. „Wir möchten vor diesem Hintergrund fragen: Wo stehen wir heute?“, skizziert Parak. Die Fotografenszene in der Stadt, findet sie, sei heute oft nicht so deutlich sichtbar.
Unterschiedlichste Ansätze in Bezug auf das regionale Gedächtnis der Fotografie lassen sich jetzt in den ausgestellten Arbeiten entdecken. Einige Positionen sind konzeptuell wasserdicht und handwerklich stark. Andreas Bormanns fotografische Architekturanalysen beispielsweise versöhnen die verschiedensten Baustile noch an der eigentlich im Raum stehenden Bruchlinie miteinander. Nicht weniger durchdacht sind die Kompositionen von Timo Hoheisel, dessen dreiteilige Serie „Asse II“ die Nichtsichtbarkeit atomarer Gefahren offenbart. Die Indikatoren schleichen sich in Diskrepanz zur gesellschaftlichen Diskussion schrittweise in die Motive: Von der augenscheinlich intakten Waldlandschaft, über die Eingangsschleuse der Schachtanlage bis zum Stollen erhöht Hoheisel die Grusel-Dosis behutsam.
Und auch Gert Schneiders Typologie der Musikindustrie bleibt haften. Die exakte Formensprache seiner Arbeiten setzt Musiktruhen und Phonogeräte des einst in Wolfenbüttel ansässigen Unternehmens Kuba gekonnt in Szene.
Andere Arbeiten dagegen erscheinen eine Nuance zu beliebig. Ernst Wagner hat sich für „Steinabtritt“ auf Gebrauchsspurensuche begeben. Abrieb und Erosion auf Steinplatten mögen eine plakative Momentaufnahme ergeben, Zeitverflug dokumentieren, eine Geschichte jedoch wird schon deshalb nicht erzählt, weil eine zumindest ungefähre Verortung der Motive fehlt. Etwas bemüht wirkt auch Birte Hennigs Dialogarbeit zu Candida Höfers Bild vom Foyer des Wolfsburger Theaters.
Parallel zur Ausstellung vertieft ab sofort eine projektbegleitende Website (www.dasregionalegedaechtnis.de) den fotografischen Dialog über das kulturelle Erbe der Region. Das derzeit noch recht grobe Raster werde sich nach und nach verfeinern, glaubt Gisela Parak. Kleines Gimmick: Auf einer Google-Maps-Karte erfolgt eine Verortung und Zuweisung der einzelnen Künstler. Das neue Webarchiv soll einerseits an existierende (digitalisierte) historische Aufnahmen erinnern – unter anderem ist Käthe Buchler mit fünfzehn Positionen vertreten –, andererseits soll die Möglichkeit geschaffen werden, diese im Kontext mit zeitgenössischen Bildern zu sehen.

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