19. März 2022
Buntes

Zimmer gesucht, Familie gefunden

Die DRK-Kaufbar vermittelt Wohnraum für geflüchtete Ukrainer – und manchmal noch viel mehr

Die neue deutsch-ukrainische Familie (v.l.): Iwan (13), Svetlana und Sergej (4) mit den Braunschweigern Oliver Schulz und Svenja Best.  Foto: Privat

Östliches Ringgebiet. „Biete Gästezimmer auf dem Land“, „Haben Zimmer mit Bett für maximal zwei Personen“. In der DRK Kaufbar laufen derzeit die Drähte heiß. Seit Anfang März koordiniert das Team um Leiterin Heike Blümel Wohnraum für Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine.

Per Telefon, E-Mail oder über das Portal von Ukrainehilfe38 (siehe Artikel auf der gegenüberliegenden Seite) können Braunschweiger Unterkünfte anbieten – vom Zimmer bis zur ausgebauten Dachgeschosswohnung.
„Wir prüfen, ob Anbieter und Suchende zusammenpassen. Ob zum Beispiel ein Hund mitgebracht werden kann, genügend Platz für Kinder da ist, die Wohnungsanbieter vielleicht selbst Kinder im gleichen Alter haben“, erklärt Heike Blümel. Viel, viel Organisation steckt dahinter, aber durch die Flüchtlingskrise 2015/16 sind das DRK, die anderen Wohltätigkeitsorganisationen und die Stadt inzwischen ein gut eingespieltes Team.

Marina aus Odessa hat inzwischen ein Zimmer gefunden. Vollkommen übermüdet war die 31-Jährige nach 48 Stunden Flucht in Braunschweig angekommen – mit dabei ihr Sohn Artim, die beiden Eltern und Freundin Victoria mit Sohn David. Drei Betten für sechs Personen, das ist kein Luxus. „Es ist eng“, nickt Marina, „und sicher nicht auf Dauer, aber viel wichtiger war am Anfang, dass wir endlich einen Platz zum Ausruhen und Schlafen hatten.“ In Odessa hat Marina als Journalistin gearbeitet, jetzt steht sie vor dem Nichts. Wenn sie an Zuhause denkt, steigen Tränen auf. „Es ist schrecklich. Und das Schlimmste ist, dass wir nicht wissen, was mit unseren Ehemännern ist. Die mussten dort bleiben“, sagen sie und Freundin Victoria.

Die Bilder aus der Ukraine – sie gehen unter die Haut. Auch Oliver Schulz konnte es nicht mehr ertragen, untätig herumzusitzen. „Ich war wütend, wollte irgendwie helfen“, sagt er. Der 62-Jährige steht im Hof der Kaufbar und hat seine neue ukrainische Familie dabei. Am vergangenen Wochenende zogen Svetlana, Iwan und Sergej bei ihm ein, jetzt suchen sie unter den Spenden nach passender Kleidung und Spielzeug. Das neue Zuhause liegt gleich um die Ecke, die Taschen müssen also nicht weit getragen werden.

Noch bei der Großdemo auf dem Schlossplatz Ende Februar hatte Oliver Schulz seine Hilfe angeboten, gemeinsam mit Ehefrau Svenja Best stellte er jetzt das ausgebaute Dachgeschoss als Wohnung zur Verfügung. „Mit Küche und eigenem Bad schien uns das perfekt“, freut er sich. Für Svetlana und ihre beiden Söhne sind Schulz und Best ein Glücksfall. Zur Wohnung gibt es gleich den Familienanschluss dazu, der Austausch folgt über Google Translator: Deutsch-Ukrainisch, Ukrainisch-Deutsch. „Das klappt prima“, sagt Schulz.

Mit der Ukrainerin aus Kiew war er bereits in der Naumburgstraße, wo sie Sozialleistungen beantragte. Das erste Geld wurde bar ausgezahlt, sobald Svetlana einen Ausweis hat, kann sie auch ein Konto eröffnen, dann wird es überwiesen. „Das scheint alles gut organisiert zu sein“, sagt Oliver Schulz zufrieden über den ersten Behördengang. Nur der vierjährige Sergej war nicht so begeistert, dass er wieder in ein Auto klettern musste. „Ich will nicht mehr weg, ich möchte bei dem neuen Onkel und der neuen Tante bleiben.“

So viel ist sicher: Bei den beiden Braunschweigern kann er die nächsten Wochen ganz sicher bleiben, „oder so lange eben der Krieg dauert“, zuckt Oliver Schulz mit den Schultern. Informationen zur Wohnraumvermittlung gibt die DRK-Kaufbar, Helmstedter Straße 135, unter 0531/70 21 16 62 und per Mail unter info@drk-sprungbrett.de.

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