Zu Hause zwischen Theke und Saal | Neue Braunschweiger
23. Mai 2020
Allgemein

Zu Hause zwischen Theke und Saal

Maike und Carsten Goldapp sind aus vollem Herzen Wirtsleute – Das lässt sie durchhalten

Ein Leben ohne die Rothenburg – für Maike und Carsten Goldapp undenkbar. Fotos: Ingeborg Obi-Preuß

Weststadt. Seit wenigen Tagen darf die Gastronomie wieder öffnen, auch in der Rothenburg läuft das „Coronaprogramm“: Abstand, Masken, Desinfektionsmittel. „Sauberkeit und Hygiene gehörten immer schon zu unserer Gastronomie“ sagen Maike und Carsten Goldapp, jetzt sei allerdings noch ein Haufen neuer Bestimmungen dazugekommen. „Immer wieder steigen auch Existenzängste auf“, fügt Maike hinzu, denn doppelter Abstand zwischen den Tischen heißt auch halbe Anzahl an Gästen. „Wir sind vom Platzangebot und von der Mitarbeiterstärke her ein klassisches Veranstaltungshaus“, beschreibt sie den Betrieb. Hochzeiten, Konfirmationen, Geburtstage – alles liegt auf Eis.

Für Carsten Goldapp ist die Rothenburg „alternativlos“. „Ich fahre nach Hause“ sagt er gern, um seine Frau zu necken – und meint das Gasthaus. Eine Kindheit in der Weststadt prägt. Schulbesuch in der Ilmenaustraße und der Rothenburgschule, gespielt wurde in und um die Rothenburg. „Alle Freunde waren immer bei mir“, blickt Carsten Goldapp zurück. Kein Wunder. Es gab Fanta vom Fass, Hähnchen und Pommes. Dazu jede Menge Platz zum Spielen. „Damals hatten wir noch Schafe und Hühner, Enten und Ziegen“, erzählt Carsten – ein Paradies für Kinder.

Einstieg auf hohem Niveau

Sein beruflicher Einstieg in die Rothenburg war für Carsten Goldapp klar, dennoch ließ er sich nach der Schule den berühmten „Wind um die Nase“ wehen. Auf einem Luxusliner und auf Sylt verdiente er sich seine Sporen als Koch, nachdem er im damals in Braunschweig legendären Mövenpick Hotelfachmann und Koch gelernt hatte. Hier traf er auch Maike in ihrer Ausbildung zur Hotelfachfrau. Beide schwärmen von der Zeit. „Wir sind mit so viel Freude zur Arbeit gegangen“, erinnert sich Maike, „die Kollegen waren auch unsere Freunde.“ Sie erzählt von spektakulären Personalfeiern, vom italienischen „Dienstags-Büfett“, einem Klassiker im Mövenpick, und der regelmäßigen Sause anschließend im Jolly.

Ihre Wegen trennten sich zunächst, Maike heuerte als Flugbegleiterin bei der Lufthansa an, Carsten ging in die Schweiz. „Im Luxushotel in St.  Moritz habe ich unter anderem viel über Fisch gelernt“, erzählt er. „1500 Hummer pro Saison, das hatte mich beeindruckt.“ Der „Wolfsbarsch im Salzmantel“ ist eines der Fischrezepte, das er mit in seine Rothenburg gebracht hat. 2001 haben Maike und Carsten den familiären Staffelstab übernommen, 2003 geheiratet, 2005 kam Sohn Nils zur Welt.

„Lern lieber etwas Vernünftiges“

Ob der auch übernimmt? „Ich sage immer: Lern lieber etwas Vernünftiges“, lacht der Vater. Aber eigentlich ist „etwas Vernünftigeres“ als die Rothenburg unwahrscheinlich. „Ich zumindest liebe dieses Leben“, sagt Carsten Goldapp, „und ich liebe die Geselligkeit.“
Und jetzt Corona: Abstand und keine Feiern. Die Goldapps leiden wie alle Gastronomen – und hoffen auf bessere Zeiten. Für die Gastronomie und für ihre Weststadt.

Auch interessant