Zu wenig WCs: Endstation Gebüsch?

NB-Leser Rainer Wiegand wünscht sich mehr öffentliche Toiletten in Parks und an Spielplätzen

Am Prinzenpark gibt es zwei öffentliche Toiletten. Er ist einer der wenigen Parks, der diesen Service anbietet. Ein Besuch kostet 20 Cent. Foto: Rainer Wiegand

Braunschweig. Ob Picknick im Bürgerpark oder Grillen am Inselwall: In diesem Sommer waren die „grünen Lungen“ der Stadt ganz besonders beliebt. Für NB-Leser Rainer Wiegand ein Zeichen, wie sehr die Braunschweiger ihre Parks und Spielplätze schätzen. Was ihm dabei auffällt und ihn ärgert: In einer ganzen Reihe von ihnen gibt es keine öffentlichen Toiletten.

„Braunschweig kann wirklich stolz auf seine Grünanlagen sein. Umso peinlicher ist es, dass sich die Besucher ins Gebüsch stellen müssen, wenn sie mal ein menschliches Bedürfnis verspüren“, teilt er uns am Telefon mit.

Beispiel Inselparkwall: An schönen Tagen genießen hier ganze Familien-Clans die Sonne. Auch der Spielplatz wird rege von Familien und Kindergärten benutzt. Bei Gesprächen mit Erzieherinnen hat Wiegand erfahren, wie sehr sich diese über öffentliche Toiletten freuen würden. „Wenn’s drängt, muss jetzt schon mal das nächste Gebüsch herhalten“, sagt Wiegand über einen Zustand, der auch den Kindern nicht gefällt.

Eine der wenigen Ausnahmen sei bislang der Prinzenpark im östlichen Ringgebiet. „Hier stehen gleich zwei Anlagen – eine am Stadion der Freien Turner, eine direkt an der Herzogin-Elisabeth-Straße, ganz in der Nähe des Spielplatzes an der Matthäuskirche“, sagt Wiegand.

Zweimal am Tag würde dort kontrolliert und gesäubert. „Das sieht alles picobello aus“, betont der Leser, der das Edelstahlinterieur genauer unter die Lupe genommen hat. Nun fragt er sich: Warum ist das im östlichen Ringgebiet möglich und nicht in anderen Stadtteilen.

Auf der städtischen Plattform „Mitreden“ hat Wiegand seinen Wunsch bereits an die Verwaltung herangetragen. Die erforderlichen 50 Unterstützer waren schnell gefunden. Am heutigen Mittwoch wird sich der Planungs- und Umweltausschuss mit dieser und weiteren Ideen zu öffentlichen Toiletten befassen.

„Ob Dänemark, Norwegen, England oder Australien – in vielen Ländern sind WCs an den Spielplätzen eine Selbstverständlichkeit. Das sollte auch für Braunschweig gelten. Am besten gut ausgewiesen und schnell zu erreichen, denn gerade Erzieherinnen müssen ihre Kinder im Auge behalten können.“

Stadt: Anzahl der WCs hat zugenommen

Auf unsere Anfrage hin, betont die Verwaltung, dass sich die Situation inzwischen deutlich verbessert hat. „Lage, Anzahl und Ausstattung der öffentlichen Toiletten in Braunschweig sind im Laufe der Zeit gewachsen“, teilt Stadtsprecherin Lisa Bertram mit.

Was installiert würde – Pissoires oder Kabinen richte sich nach den Bedürfnissen der Bevölkerung und den städtebaulichen und technischen Möglichkeiten der einzelnen Standorte. Nachgebessert wurde in den vergangenen Jahren unter anderem auf dem Kohlmarkt, am Heidbergsee, im Hauptschulgarten am Dowesee sowie am Franzschen Feld.

Was die Vorschläge zum Inselwall, Löbbeckes Insel oder Löwenwall betrifft, gibt sich die Verwaltung zugeknöpft. Die Errichtung von WC-Anlagen werde dort „als nicht vereinbar mit dem räumlichen Umfeld gesehen“. „Die Verwaltung lehnt eine Umsetzung deshalb ab“, teilt Bertram mit.

Einzige Ausnahme: Stehen Flächen außerhalb der historischen Kernbereiche zur Verfügung, „könne in Erwägung gezogen werden, ob WC-Anlagen dort sinnvoll und vertretbar erscheinen.“

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