Zwei Spiele für die Ewigkeit | Neue Braunschweiger
11. November 2020
Sport

Zwei Spiele für die Ewigkeit

Die Handballer von Eintracht Braunschweig hielten sich vier Spielzeiten erfolgreich in der Bundesliga

Handball-Regionalliga Frauen: Eintracht Braunschweig - SC Riesa Eintracht-Kreisläuferin Ines Ruppert steuerte zwei Treffer zum 22:22 bei.

Braunschweig. An manche Spiele erinnern sich Gerhard Mädge und Peter Weirauch auch nach 50 Jahren gern zurück. Der Saisonauftakt der Feld-Bundesliga 1970 sei so eines gewesen, erzählen die beiden Handball-Urgesteine des BTSV Eintracht. Als frischgebackener Aufsteiger ging es gegen den amtierenden Meister TV Krefeld-Oppum, die Rollen waren klar verteilt. „Es lagen zehn Zentimeter Schnee“, weiß Mädge, „zur Halbzeit stand es 2:2.“ Am Ende triumphierten die Einträchtler mit 5:2 – was für ein Start in die Bundesliga.

Oder ein Jahr später, wieder Bundesliga. Beim Gastspiel bei Grün-Weiß Dankersen hing ein Zeitungsartikel in der Braunschweiger Kabine, in dem nur die zu erwartende Höhe des Mindener Sieges hinterfragt wurde: Eintracht gewann 16:15 und erntete erneut nationale Bewunderung. Es waren die vier Jahre Bundesliga, bis zu deren Auflösung 1973, in denen Eintracht im Handball ganz oben war, Mädge war bereits seit 1953 im Verein, Weirauch kam als Torhüter vor dem Aufstieg hinzu, spielte bis 1995 und ist seit 1984 Abteilungsleiter Handball bei der Eintracht.

Punktspiel gegen den VfL Wolfsburg auf dem A-Platz im Eintracht Stadion. 14-Meter durch A. Ahrens. Im Hintergrund beobachten (v.l.) G. Mädge, D. Kern. H. Bartsch und H. Vogler die Szene. Foto: oh

Dabei war die Gründung der Sparte eigentlich ein ganz großes Missverständnis. 1928 berichtete die Tagespresse über ein Qualifikationsspiel um den Aufstieg zur Kreisklasse zwischen dem Wolfenbütteler Schwimmverein und Eintracht Braunschweig. Diese Meldung stachelte einige Leichtathleten und andere Einträchtler an, sich zum Franzschen Feld, dem Austragungsort des Spieles, zu begeben und anzutreten. Zur großen Überraschung aller gewann der bunte Haufen in Vertretung des SC Leu 06, der nämlich eigentlich von der Presse gemeint war, mit 4:1. Und so gründete man eine Handball-Abteilung.

1931 gesellte sich auch eine Damenmannschaft hinzu und nach 1947 begann man in der Halle, der alten Stadthalle auf dem Schützenplatz, zu spielen. Schlagzeilen machte Eintracht im Jahr 1961 mit dem ersten Flutlichtspiel in Norddeutschland gegen den damaligen Erzrivalen Rot-Weiß im Stadion vor mehreren Tausend Zuschauern.

Niedersachsenweit konnten sowohl Damen als auch Herren in den 50er- und 60er-Jahren einige Erfolge auf dem Feld und in der Halle verbuchen, bis die Herren schließlich über die Norddeutsche Vizemeisterschaft 1967 und die Meisterschaft 1969 in die Bundesliga kamen. „Die Meisterschaft war neben den beiden legendären Siegen unsere schönste Erinnerung“, sagt Weirauch.

1. Herren 1970 Feld-Bundesliga v. l. hinten: Betreuer Dr. Rümmele, Grune, Wucherpfennig, K. Schröder, W. Mädge, Jürges, Kruse, Schulenburg, Trainer Schindler. vorne: Buchholz, Munstermann, Pawelski, Torhüter Weirauch, Voegelin, Wienekamp. Foto: oh

Nach der Bundesliga-Ära wurde es etwas ruhiger um die Eintracht-Handballer, kurze Zeit später wurde Feldhandball ganz abgeschafft, seit 1978 wird ausschließlich in der Halle gespielt.

Die Damen starteten zwischen 2000 und 2006 noch in der Regionalliga und blieben damit die letzte höherklassige Mannschaft. Seit 2003 sei die Abteilung mehr auf den Breitensport ausgerichtet, erzählt Mädge. Aktuell spielen drei Damen- und zwei Herrenmannschaften im Ligabetrieb sowie vier Jugendteams und die Minis, Kinder zwischen 5 und 8 Jahren, bei der Eintracht Handball.

In der ewigen Tabelle der Feldhandball-Bundesliga, von Gründung 1967 bis Auflösung 1973, liegt die Eintracht für die Anzahl von 56 Spielen (10 Siege, 6 Unentschieden und 40 Niederlagen) eher weiter hinten auf Rang 24. Doch wen stört das schon, wenn man mit zwei Siegen gegen Krefeld und Minden Handball-Geschichte geschrieben hat?

Über die Serie: 

Eine Legende hat Geburtstag: Der Braunschweiger Turn- und Sportverein von 1895 wird 125 Jahre alt. Ein Grund zum Feiern. Das tun wir mit einem Hochglanzmagazin voller blau-gelber Momente, emotionaler Höhepunkte und unvergessener Meisterschafts-Erinnerungen.
Aber – wir feiern auch den Breitensport. Aktuell sind mehr als 5200 Menschen Mitglied in „ihrem“ BTSV, sie schwimmen und turnen, sie spielen Handball, Hockey oder Basketball. Das Jubiläumsmagazin ist ab dem 21. November im Zeitschriftenhandel erhältlich. Vorab stellen wir in der NB in loser Folge die verschiedenen Sparten vor, die der Verein – außer König Fußball – noch zu bieten hat.

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