Zwischen Show und Tristesse | Neue Braunschweiger
7. April 2015
Politisches

Zwischen Show und Tristesse

Es gibt in Deutschland kein Gesetz zum Thema Wildtierhaltung in Zirkussen.

Mit dieser Postkarte wirbt die Initiative Stadttiere Braunschweig um Unterstützung im Rat. Jeder kann mitmachen.

Von Andreas Konrad, 08.04.2015.

Braunschweig. Wenn sich der Elefant in der Manege zum Affen macht, finden das nicht alle lustig. Auch in Braunschweig wächst der Protest gegen Wildtiere im Zirkus. Beate Gries von der Initiative Stadttiere möchte jetzt den Rat der Stadt zu einer klaren Positionierung bewegen.

„Es gibt bereits viele Städte in Deutschland, in denen Zirkusse mit Wildtieren keine Auftrittsmöglichkeit mehr erhalten“, sagt eine engagierte Gries. „Wir erhoffen uns durch eine Postkarten-Aktion als ersten Schritt, dass der Rat der Stadt sich gegen Wildtiere im Zirkus ausspricht.“ In vielen Geschäften und Tierarztpraxen liegen seit Beginn der Woche die Postkarten aus. Auch eine digitale Versendung über die Homepage der Organisation (www.stadttiere-bs.de) ist möglich.

Heute endet das Gastspiel des Zirkus Knie in Braunschweig. Begleitet von Protesten traten damit auch Wildtiere in der Stadt auf. Rechtlich vollkommen in Ordnung, wie Kontrollen seitens der Stadt dem Zirkus bescheinigen. Tierschützer fordern aber schon lange ein Verbot derartiger Darbietungen. Städte wie Köln, Worms oder Schwerin haben in Anlehnung an den Bundesrat, der 2011 beschloss „… insbesondere bei Affen (nicht menschliche Primaten), Bären, Elefanten, Giraffen, Nilpferden und Nashörnern, können die Verhaltensansprüche der Arten in einem reisenden Zirkus schon im Grundsatz nicht erfüllt werden …“, bereits ein Verbot umgesetzt. In bislang 17 europäischen Ländern existiert das Verbot generell oder für bestimmte Arten. „In Deutschland gibt es nur unverbindliche Leitlinien, die weit unterhalb der Mindestanforderungen an Zoos liegen“, kritisiert Beate Gries von der Initiative Stadttiere Braunschweig. „Da braucht es oft auch ein wenig Mut, um ein Verbot auszusprechen“, so Gries weiter. Mit einer Postkarten-Aktion möchte die Tierschützerin jetzt erreichen, dass der Rat der Stadt sich für ein entsprechendes Verbot ausspricht. Im Anschluss könne der Rat die Verwaltung beauftragen, nach Möglichkeiten für ein Verbot zu suchen und sich über den Städtetag bei der Bundesregierung für eine diesbezüglich klare Gesetzgebung einzusetzen, hofft Gries.

In der Vergangenheit klagte ein Zirkus erfolgreich gegen ein Auftrittsverbot, begründet in der Einschränkung der Berufsfreiheit. Eine Rechtsauffassung, die nicht geteilt werden müsse, so die Landestierschutzbeauftragte Hessen, Dr. Madeleine Martin, in einem Informationspapier für verbotswillige Städte. Das sieht auch Gries so und hofft auf eine rege Teilnahme an ihrer Postkarten-Aktion.

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